Magazin: Wissenswertes

Pflege und Wartung

Standort des Klaviers

Welcher Platz ist der Richtige?

Bei der Auswahl des geeigneten Standortes für ein Klavier oder einen Flügel spielen sowohl rein pragmatische als auch klimatische und akustische Gesichtspunkte eine Rolle. Zunächst möchte man sein Instrument natürlicher dort platzieren, wo es am besten zur Geltung kommt, also zum Beispiel im Wohnzimmer.

Dabei sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass gerade häufig benutzte Räume im Winter starken Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, die dem Instrument schaden können. Nicht oder nur unzureichend isolierte Kellerräume aber auch Räume mit Fußbodenheizung sind ebenfalls nicht die richtige Umgebung für ein Klavier.

Direkte Sonneneinstrahlung oder ein Platz an der Heizung können das Holz im Instrument spröde machen, aus diesem Grund sollte man ein Klavier auch keinem ständigen Durchzug aussetzen.

Zwischen der Wand und dem Instrument sollte ein Abstand von mindestens 10 bis 15 Zentimetern bleiben- so kann die Luft dazwischen noch zirkulieren.

Da sich Tasteninstrumente in ihrem Klang oft erheblich voneinander unterscheiden, lässt sich auch der akustisch perfekte Standort nicht generell bestimmen. Als Faustregel kann jedoch gelten, dass Klaviere mit eher hartem Klang am besten auf einem weichen Teppich stehen sollten, während Klaviere mit weicherem Klang durchaus auch auf Fliesen angenehm wirken- die räumlichen Bedingungen sollten dem Klang des Instruments also sozusagen entgegenwirken.

Ein Flügel benötigt mindestens 20 qm reine Raumfläche um seinen vollen Klang entfalten zu können. Die geöffnete Klappe sollte in den Raum zeigen.

Da die meisten Instrumente mindestens einmal im Jahr gestimmt und gegebenenfalls auch intoniert werden müssen, braucht auch der Klavierstimmer genug Platz um optimal arbeiten zu können (circa 50 cm zu jeder Seite und nach oben).

Nicht außer Acht zu lassen, ist die Frage nach der Toleranz der Nachbarn, vor allem wenn man in einem Reihenhaus oder einer Wohnung lebt. Während man den Raumschall mit dämpfenden Materialien wie Vorhängen und Teppichen relativ gut in den Griff bekommen kann, wirkt der so genannte Körperschall weitaus gravierender. Er breitet sich vom Klangkörper des Instruments über dessen Füße weiter durch die Fußböden und Decken des Gebäudes aus, sodass der Klavierspielende oft noch in weit entfernt liegenden Räumen deutlich zu hören ist. Als Gegenmaßnahme kann man die Füße des Instruments abpolstern, insbesondere die Rollenuntersetzer- am sichersten ist jedoch der Einbau eines so genannten Silentsystems.

Pflege und Wartung

Raumklima und Luftfeuchtigkeit

Zu feucht, zu trocken? Zu warm, zu kalt?

Die Raumluft in der Umgebung des Instruments sollte nicht zu feucht und nicht zu trocken. Die ideale Luftfeuchtigkeit für ein Klavier liegt bei 50-60%.

Zu feuchte Raumluft kann zu Schimmel, zum Rosten der Saiten und zum Quellen des Holzes führen, zu trockene verursacht Risse im Holz.

Die ideale Temperatur liegt zwischen 18 und 21 Grad Celsius, wichtig ist vor allem, dass das Instrument keinen großen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist.

Zur Kontrolle empfiehlt sich die Anschaffung eines Thermometers und eines Hygrometer. Bei letzteren sind digitale Geräte besonders empfehlenswert, da sie meistens genauere Messwerte ergeben.

Bei Neubauten, insbesondere bei Gebäuden, die jünger sind als fünf Jahre, besteht die Gefahr der Übertrocknung durch „zu gute“ Isolierung.

Bei Altbauten ist das Klima für das Instrument durch die hohe Luftzirkulation im Normalfall sehr gut, aber im Winter entstehen wegen der mangelnden Wärmedämmung oft hohe Temperaturschwankungen. Der Kontrast zwischen der Heizwärme am Tag und der Kälte in der Nacht kann dem Instrument erhebliche Schäden zufügen und sollte auf keinen Fall zu groß ausfallen.

Pflege und Wartung

Stimmung

Nicht nur für das Ohr wichtig!

Klaviere werden heutzutage im Normalfall gleichschwebend gestimmt, die Oktaven sind also die einzigen reinen Intervalle, alle anderen Intervalle sind nicht ganz rein sondern entweder etwas zu eng oder etwas zu weit. Die gleichschwebende Stimmung hat den großen Vorteil, dass man unbegrenzt transponieren (also ein Stück in allen erdenklichen Tonarten spielen) kann, und dass das Klavier auch für Kammermusik verwendet werden kann. Bei historischen Aufführungen, bei denen meistens Cembali oder Hammerklaviere verwendet werden, kommen häufig noch andere Stimmungen zum Einsatz, zum Beispiel die wohltemperierte Stimmung. Das schöne an den historischen Stimmungen ist die ausgeprägte Tonartencharakteristik, die bei der gleichschwebenden Stimmung vollkommen verloren ging.

Ein Klavierstimmer ist in Deutschland in den allermeisten Fällen auch Klavierbauer, da es keinen einheitlichen Ausbildungsberuf zum reinen Klavierstimmer gibt. Klavierstimmer stimmen die Saiten, in dem sie die Spannung der Saiten regulieren. Das Drehen der Stimmwirbel erfordert große Feinfühligkeit, vor allem bei älteren Klavieren. Die meisten Klavierstimmer stimmen zuerst den Kammerton a (im Normalfall 440 Hz) und ausgehend davon ausgehend sämtliche Intervalle (nach dem Quintenzirkel). Die gleichschwebende Stimmung erfordert eine leicht unreine Stimmung der Intervalle, was ein Klavierstimmer durch lange Berufserfahrung im Ohr hat. Heutzutage benutzen aber auch Profis zur Unterstützung oft ein Stimmgerät.

Pflege und Wartung

Intonation

Der optimale "Feinschliff"

Der Klang eines Klaviers hängt nicht nur von der optimalen Tonhöhe, also der Stimmung, ab sondern auch von der Intonation. Fachleute bezeichnen damit die Überholung von mechanischen Teilen, zum Beispiel den Hammerkopffilzen.

Voraussetzung für eine optimale Intonation ist eine Regulierung des Instruments und natürlich eine gute Stimmung.

Die Intonation ist oft noch diffiziler als der Vorgang des Stimmens selbst, weshalb sie unbedingt von einem Fachmann übernommen werden sollte.

Gängige Arbeitsschritte, die für einen Laien oft geradezu martialisch wirken, sind das Abziehen der Hämmer, das Stechen des Hammerfilzes zur Auflockerung und oft auch das Tränken desselben mit einer Art Lack.

Mit Abziehen bezeichnet man das Abschaben der obersten Filzschicht der Hämmer, die sich vor allem bei regelmäßigem Spielen abnutzt. Durch dieses Abschleifen werden die Anschlagsflächen wieder perfekt geformt.

Das Tränken der Hammerfilze kann bei sehr weichen und dumpf klingenden Klavieren nötig werden, um den Klang neu zu definieren und zu stärken.

Vor allem bei neuen Klavieren muss man sich um die Intonation noch keine Sorgen machen, zumindest falls sie nicht über Gebühr beansprucht werden.

Pflege und Wartung

Reparatur

Wenn, dann richtig!

Nach etwa zwanzig bis dreißig Jahren sollte man zumindest als einigermaßen ehrgeiziger Spieler auch ein neu gekauftes Instrument generalüberholen lassen.

Vor allem bei älteren Instrumenten können schnell „größere“ Reparaturen anfallen, zum Beispiel das Flicken von Rissen im Resonanzboden, das Austauschen des Stimmstocks, das Einleimen neuer Hämmer und generell die Erneuerung sämtlicher Mechanikteile. Bei besonders schweren Fällen, können Klavierbauer sogar Gehäuse oder Resonanzboden ganz erneuern.

Allerdings sollte man sich bei so schwerwiegenden Reparaturen trotz des persönlichen Bezugs zum Instrument immer fragen, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Oft übersteigen die Kosten für die Reparatur am Ende den Wert des Instruments.

Pflege und Wartung

Lackpflege

Eine glänzende Angelegenheit

Um Lackschäden und Druckstellen im Lack zu vermeiden, sollte man keine schweren Gegenstände aufs Klavier stellen und natürlich auch auf keinen Fall Gefäße, die Flüssigkeiten enthalten, also Wassergläser, Vasen, Blumentöpfe und ähnliches.

Auch beim Staubwischen kann es jedoch vorkommen, dass unschöne Kratzer im Lack entstehen. Experten raten deshalb bei einem mit Polyesterlack überzogenen Klavier zu einem fusselfreien, leicht angefeuchteten Tuch. Das gilt nicht für gewachste oder mit Schellack behandelte Instrumente, hier ist ein trockenes Tuch die bessere Wahl.

Sind trotz aller Vorsicht doch einmal unschöne Schäden im Lack, gibt es in Fachgeschäften spezielle Polituren. Auch hier gilt: bei größeren Schäden lieber zum Fachmann gehen, denn auch das äußere Gehäuse eines Klaviers ist mit größter Sorgfalt zu behandeln.

Pflege und Wartung

Tastenpflege

Elfenbein oder nicht?

Für die Tastenpflege nimmt man ebenfalls am besten ein feuchtes Tuch zum Staubwischen. Man sollte damit aber auf keinen Fall die Innenseite der Tasten säubern, da diese sonst aufquellen.

Bei starken Flecken kann man das Tuch eventuell mit etwas Spiritus oder Fensterreinigungsmitteln beträufeln und die Tasten damit vorsichtig säubern. Bei neuen Klavieren ist es jedoch möglich, dass sich die Tastenschwärze der schwarzen Tasten ablöst, wenn man Putzmittel verwendet.

Ein wichtiger Hinweis für ältere Klaviere: Elfenbeintasten dürfen unter keinen Umständen behandelt werden, nicht einmal mit reinem Wasser: sie sind nicht wasserabweisend.

Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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