Magazin: CD-Kritiken
Wolf: Selected works for Clavier

Details zu Wolf: Selected works for Clavier: Flora Fabri, Klavier

Wolf: Selected works for Clavier: Flora Fabri, Klavier

Verachtet von Goethe

Weiterer wichtiger Mosaikstein zum kompositorischen Schaffen Ernst Wilhelm Wolfs.

Wir wissen, dass Goethes musikalischer Geschmack nicht immer der allerbeste war. Während er in literarischen Kreisen ein fundiertes Urteil beisteuern konnte, standen ihm viele neuere Entwicklungen der Musikgeschichte fern. Hierzu zählte auch Ernst Wilhelm Wolf (1735–1792), zwanzig Jahre älter als Mozart, doch ganz offensichtlich ein Vorbild für den Jüngeren; auch von Carl Philipp Emanuel Bach ist überliefert, dass er von Wolfs Werken beeindruckt war. Im Gefolge einer Familie von Stein (!) erreichte Wolf 1761 Weimar und wurde noch im selben Jahr Konzertmeister der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach. Leider erfahren wir trotz der scheinbarer Gelehrsamkeit des Booklettexts nicht viel über Wolfs Schaffen insgesamt, das cpo längst mit hervorragenden Resultaten diskografisch erkundet.

Wolf komponierte ‚Claviersonaten‘ ganz unterschiedlicher Dimensionen (eine Ars-Musici-CD von 1997 hat bereits erste Eindrücke gegeben), und besonderen Charme entfalten die Werke, wenn moderne Klaviere oder selbst Hammerflügel gemieden werden. Im vorliegenden Fall ist ein Tangentenflügel von Christoph Friedrich Schmahl, entstanden 1790 in Regensburg gewählt worden, der den intimen Charakter der Musik besonders betont. Flória Fábri verfügt über ein perfektes Verständnis für die Musik, weiß die virtuosen wie die fragilen Momente gleichermaßen vorzüglich zu vermitteln. Vier der hier vorgestellten Werke (vier Sonaten und eine Fantasie) sind auf die Jahre 1774 bzw. 1785 datiert, die Sonate g-Moll (im Booklet undatiert) erschien 1789 im Druck.

Die Sonaten (von denen jene in F-Dur von 1785 als einzige den langsamen Satz der sonst üblichen dreisätzigen Konzeption verzichtet) erkunden eine große Vielfalt an Stimmungen und Texturen, so dass die die CD beschließende Fantasia mit einem dreizehnmal variierten Thema einerseits in ihrer spieltechnischen Freiheit, andererseits mit den wiederum ganz anderen Texturen das Bild Wolfs noch einmal deutlich verändert. Das ist kein Komponist voraussagbarer Ergebnisse – das ist ein Komponist, der immer wieder (C. P. E. Bach oder zuvor Telemann ganz ähnlich) auch in ‚tradierten Formkonzepten‘ mit jedweder Erwartung bricht und gerade dadurch besondere Spannung aufbaut.

Aufnahmetechnisch ist die vom Deutschlandfunk produzierte CD vorzüglich gelungen – vielleicht dürfen wir ja noch eine weitere Claviermusik-CD mit Werken Wolfs erhoffen?


Dr. Jürgen Schaarwächter, 13.02.2023

Label: cpo
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