Magazin: CD-Kritiken
At home with Hugo Alfvén

Details zu At home with Hugo Alfvén: Elin Rombo, Peter Frus Johansson

At home with Hugo Alfvén: Elin Rombo, Peter Frus Johansson

Neue Facetten aus Schweden

Leider ist das Engagement für Hugo Alfvén in nicht optimaler Weise kanalisiert.

Den Schweden Hugo Alfvén (1872–1960) kennen wir bislang vor allem als Orchesterkomponisten. Die vorliegende SACD will dem abhelfen und bietet, als eine Art Hauskonzert, Lieder und Klaviermusik im Alfvéngården in Leksand (wo der Komponist seit 1944 lebte) an Alfvéns eigenem Flügel. Alfvéns Lieder erweisen sich als ganz eigenen Charakters und besonderer Couleur. 'Aftonen' etwa verwendet konsequent Summen der Sängerin als Gestaltungsmittel. Und auch wenn die Harmonik zumeist konventionell ist (hier in den Gesängen opp. 28, 22 und 8), werden doch etwa im Klavierpart interessante eigene Akzente gesetzt.

Alfvéns Flügel mag eine besondere Informationsquelle auch für seinen Kompositionsstil sein - das Instrument verfügt im Forte über einen ausgesprochen groben, harten Ton, doch weiß Peter Friis Johansson dem Instrument auch feine Pianotöne zu entlocken. Das weite emotionale Spektrum der Jahre 1899 bis 1908 ist typisch für die Zeit und beeindruckt vielleicht gerade deshalb ganz besonders. Leider verfügt die Sopranistin Elin Rombo nicht über eine hinreichend sichere Gesangstechnik, als dass sie eine erstklassige Leistung beisteuern könnte - zu arg ist ihr Vibrato gleich in welchem Dynamikbereich, zu wenig verblendet die Register, zu 'weiß' die Stimme insgesamt, als dass man sich von ihr rundum angesprochen fühlen könnte. Die klare SACD-Aufnahmetechnik, die keine Milderung der vokalen Schwächen möglich macht, beeinträchtigt in diesem Falle die Wirkung der Darbietung.

Umso erfreulicher sind die beiden Klavierzyklen 'Skärgårdsbilder' (Bilder aus dem Schärengarten) op. 17 (1901-2) und 'Fyra låtar från Leksand' (Vier Tänze aus Leksand) (1914), ausgearbeitete Klavierfassungen originaler Volkstänze, die ihm sein Nachbar Lekatt Mats auf der Fiedel vorgespielt hatte. Auch hier ist der robuste Klavierklang gut zu hören, der der Interpretation eine besondere Aura verleiht. Johansson verzichtet auf starken Pedalgebrauch, so dass die Musik in besonders großer Klarheit vermittelt wird. Johanssons feines Gespür für Agogik, Phrasierung und Dynamik kommt auf dem historischen Hamburger Steinway-Flügel, der im August 1910 an Alfvén ausgeliefert wurde, besonders vorteilhaft zur Geltung. Allerdings wäre zu prüfen, ob das Instrument nicht einmal neu befilzt werden müsste oder ob sonstige Restaurierungen erforderlich werden - leider erfahren wir nichts über den Erhaltungszustand des Instruments und die Aussagekraft seines heutigen Klanges im Verhältnis zu jenem zu Alfvéns Lebzeiten.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 24.06.2022

Label: BIS Records
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