Magazin: CD-Kritiken
Hiller: Piano Quartets op. 133, op. 156

Details zu Hiller: Piano Quartets op. 133, op. 156: Oliver Triendl, Minguet Quartett

Hiller: Piano Quartets op. 133, op. 156: Oliver Triendl, Minguet Quartett

Vollendete Kammermusik

Etwa zu lange musste der interessierte Hörer auf diese CD mit Klavierkammermusik von Ferdinand Hiller warten.

Zwölf Jahre seit 2010 hat es gedauert, bis die WDR-Einspielungen zweier wichtiger Kammermusikwerke von Ferdinand Hiller mit dem Minguet Quartett und Oliver Triendl den Weg auf den Tonträgermarkt gefunden haben. Das dritte und letzte Klavierquartett a-Moll op. 133 entstand 1870. Es würde zu kurz greifen, würde man Hiller lediglich in der Nachfolge Schumanns und Mendelssohn Bartholdys sehen wollen – wie Reinecke, Raff und viele andere prägte er nachhaltig das Musikleben der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und dass seine Musik heute vergessen ist, liegt vornehmlich an der zunehmenden ‚Kanonisierung‘ des Konzertlebens. Hillers Klavierquartett ist ein inspiriertes Werk, das den Vergleich zu anderen Gattungsbeiträgen nicht zu scheuen braucht. Die Einspielung durch derart hochkarätige Interpreten wie Oliver Triendl und das Minguet Quartett macht es mithin unmöglich, dass von der Musik keine starke Wirkung ausgehen könnte. Die vielfältigen Stimmungen der Komposition, die klare, durchdachte Konzeption, die Leichtigkeit des Intermezzo und die beeindruckenden Steigerungen – jeden Moment atmen die Interpretationen Geist, Emotion und künstlerische Hingabe.

Das Klavierquintett G-Dur op. 156 aus dem Jahr 1872 wäre bis 2014 eine Weltersteinspielung gewesen, doch in der Wiedergabe durch Tobias Koch und das Pleyel Quartett Köln (auf historischen Instrumenten) ist mittlerweile Konkurrenz erwachsen. Die Einspielung mit dem Minguet Quintett braucht den Vergleich aber nicht zu scheuen, ist das ästhetische Konzept doch ein gänzlich anderes. Die Streicherfiguren sind sorgsamer und virtuoser ausgespielt, der Klavierklang ist warm und voll, das Ensemblespiel aus einem Guss. Die Musiker vermitteln in großer klanglicher Vielfalt die Gesamtarchitektur wie der Details der Musik. Schwung, Eleganz, Witz und Elan sind nur einige Charakteristika der Einspielung, die aber aufnahmetechnisch etwas kompakt geraten ist. Im unmittelbaren Vergleich mit der Avi-Veröffentlichung mit Koch und den Pleyels könnte man bei Triendl und den Minguets den Eindruck haben, dass die Interpretation konventioneller wirkt, doch ist dies teilweise wohl eindeutig auch der Aufnahmetechnik geschuldet.

Ein ausführlicher, wenn auch tendenziell das Klavierquintett in den Vordergrund stellender Booklettext bietet auf mehr als zehn Textseiten eine mehr als hinreichende Einführung in die Musik, stellt sie aber vergleichsweise wenig in die musikalische Tradition ihrer Zeit – und gerade dies ist ja eine Besonderheit des Labels, bei dem die CD erschienen ist.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 14.06.2022

Label: cpo
Interpretation: 
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Repertoirewert: 
Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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