Magazin: CD-Kritiken
Beethoven: Gegenliebe

Details zu Beethoven: Gegenliebe: Daniel Behle, Jan Schultsz

Beethoven: Gegenliebe: Daniel Behle, Jan Schultsz

Goldene Lied-Ära

Daniel Behle und Jan Schultsz legen eine epochale Beethoven-Lieder-CD vor.

Fast zwei Dutzend bekanntere und weniger bekannte Lieder Ludwig van Beethovens bieten uns der Tenor Daniel Behle und sein Klavierpartner Jan Schultsz - letzterer auf einem Wiener Carl-Strobel-Hammerflügel von 1824/25. Wir hören so bekannte Gesänge wie 'Adelade' op. 46, 'An die Hoffnung' op. 94 und 'An die ferne Geliebte' op. 98 wie auch eher Abseitigeres oder Unbekannteres, wie die Canzonetta 'La Tiranna' auf einen englischen Text, das tiefgründige 'In questa tomba oscura'; die erklärte Rundschau auf Beethovens Liedschaffen enthält außerdem allerhand einzelne Lieder mit und ohne Opuszahl, unter ihnen 'Es war einmal ein König', 'Seufzer eines Ungeliebten und Gegenliebe' oder 'Der Wachtelschlag'.

Überall beeindrucken in der vorliegenden Interpretation Intimität und Verständnis der musikalischen Substanz, Stilgefühl und Vertrautheit mit der Materie. Behle bietet ungemein klare, schnörkellose Beiträge voll von feinen und feinsten Valeurs, Schultsz ist ein hörbar vertrauter Partner, dessen Beitrag nicht minder differenziert im Detail wie im Großen ist, und der Hammerflügel eher unbekannter Bauart, von gleichmäßiger Resonanz und gleichzeitig attraktiver und harmonisch ausgewogener Klangfarbe, ist eine besonders glückliche Wahl. Nicht nur bietet die Wiedergabe lebhafte, nie übertriebene Textausdeutung - vor allem erleben wir ausgesprochen feinsinnige und verständnisinnige Interpretationen, die nie das Äußerliche streifen, sondern stets höchst fokussiert und voll feiner Farb- und Dynamikvaleurs sind.

Innere Harmonik

Aufnahmetechnisch ist die im Radiostudio Zürich entstandene Produktion sehr gut gelungen, die Stimmung des Hammerflügels von großer innerer Harmonik und Unaufdringlichkeit. Seit vielen Jahren hat eine Beethoven-Lieder-CD in musikalischer Hinsicht nicht mehr so überzeugt wie die vorliegende. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass die beiden Musiker die Goldene Ära des Liedgesangs fortführen.

Leider kann das Booklet im Vergleich zur musikalischen Darbietung nicht mithalten - nicht in Bezug auf die Substanz im zentralen Booklettext, erst recht nicht in Bezug auf den genutzten Hammerflügel, über den der interessierte Hörer leider überhaupt nichts erfährt; die (nur einsprachig, d.h. gänzlich ohne Übersetzung gebotenen) Gesangstexte wären wie gesagt angesichts der hohen musikalischen Qualität nicht nötig gewesen. Auch die Heranziehung von Klimts Beethovenfries für das Bookletdesign erschließt sich angesichts der vorzüglichen historisch informierten musikalischen Beiträge nicht im Mindesten. Schließlich bleibt auch rätselhaft, warum die sechs Gesänge des Zyklus 'An die ferne Geliebte' auf der CD keine einzelnen Tracks erhielten.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 02.05.2022

Label: Pan Classics
Interpretation: 
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Booklet: 




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