Magazin: CD-Kritiken
Early 19th century Piano Music for four hands

Details zu Early 19th century Piano Music for four hands: Marek Toporowski, Irmina Obonska

Early 19th century Piano Music for four hands: Marek Toporowski, Irmina Obonska

Nicht nur Polonaisen

Ein Breslauer Hammerflügel von Traugott Berndt aus den Jahren 1845-47 steht im Zentrum dieser CD für Klavier vierhändig.

Der Name des Klavierbauers Johann Karl Traugott Berndt ist heute weitgehend vergessen; dabei war der 1797 in der Nähe von Leipzig Geborene und nach 1867 Verstorbene um 1835/1840 Hof-Instrumentenmacher des Königs von Preußen; seit 1836 war er in Breslau tätig, und obschon sich mehrere Instrumente von ihm in öffentlichen Sammlungen erhalten haben, werden sie so gut wie nie zu Einspielungen herangezogen.

Die vorliegende CD betont die polnische Komponente von Berndts Tätigkeit durch die Darbietung von insgesamt acht Polonaisen für Klavier zu vier Händen, vier Originalwerken von Ferdinand Ries, eines umfangreicher als das vorhergehende (Op. 41 von 1809, Op. 93 von 1821, Op. 138 von 1825 und Op. 140 von 1827), sowie vier Stücken aus einer Polonaisensammlung von Micha? Kleofas Ogi?ski von 1828 (original für Klavier zweihändig). Außerdem hören wir die nicht so selten zu hörende Grande Sonate C-Dur op. 48 von Jan Ladislav Dussek aus dem Jahr 1801(?).

Gut geeignet

Der klangreiche, charaktervolle Hammerflügel mit etwas verhangenen Oberfrequenzen erweist sich als gut für die gewählte Musik geeignet. Die vier Polonaisen von Ries erfahren eine klangvoll-substanzreiche Wiedergabe, die schon durch das Instrument ganz anders klingen muss als die Wiener, Pariser oder Londoner Hammerflügel der Zeit um 1820. Es ist interessant sich auf diese neue klangliche Perspektive einzulassen und bedeutet eine charmante Bereicherung der Ries-Diskografie, auch weil Marek Toporowski und Irmina Obo?ska sich nicht auf agogische Irrwege einlassen, sondern der Musik ihren ‚polnischen Charakter‘ bewahren.

Micha? Kleofas Ogi?ski (1765–1833) ist hierzulande ebenso unbekannt wie Berndt, nicht zuletzt weil er sich in unruhigen Zeiten auch als Diplomat betätigte (seine einzige Oper widmete er 1810 Napoleon, um sich danach enttäuscht von ihm abzuwenden). Seine bekannteste Komposition ist die Polonaise ‚Po?egnanie Ojczyzny‘ aus dem Jahr 1794; die hier dargebotenen Polonaisen sind weniger komplex als Ries‘ Gattungsbeiträge, aber für den Zweck der Darbietung gerade auch durch musikalische Laien geeignet. Hier werden sie etwas zu mechanistisch-unimaginativ durch Toporowski und Obo?ska dargeboten – hier wünschte man sich wenigstens was die Komponente der Dynamik anging stärkere Kontrastierung und wirkungsvollere Steigerungen.

Gerade im Vergleich zu der Einspielung des Duo Pleyel ist die Wiedergabe der Dussek-Sonate auf dem Berndt-Hammerflügel etwas durchaus Besonderes. Sie mag nicht authentisch im eigentlichen Sinne sein, doch bietet sie gerade durch die eigenen Klangfarben des Instruments eine Klarheit und strukturelle Modernität, die weit ins 19. Jahrhundert reichen und die Bedeutung Dusseks als Klavierkomponist einmal mehr betonen.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 29.04.2022

Label: DUX
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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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