Magazin: CD-Kritiken
Mision Tango

Details zu Mision Tango: Cuarteto SolTango

Mision Tango: Cuarteto SolTango

Mission erfüllt

Das Cuarteto SolTango überzeugt wie gewohnt.

Ihr viertes Album hat die Formation Cuarteto SolTango bei CAvi-music in Co-Produktion mit BR Klassik vorgelegt. Rechnet man das „Lamento“-Projekt in erweiterter Besetzung mit seinen spannenden Schnittstellen zu Bach dazu, ist es sogar bereits das fünfte. In wechselnder Formation besteht das Ensemble seit 2008, feste Konstante sind seither die Gründungsmitglieder Martin Klett (Klavier) und Karel Bredenhorst (Violoncello). Schon immer bestand das Ensemble dabei aus Musikern, die nicht nur hervorragende Einzelkönner, sondern auch in perfektem Verständnis aufeinander abgestimmt sind.

Tiefer Blick in die Tango-Seele

Eine der bekanntesten Nummern überhaupt auf der „Misión Tango“, in der das Quartett auf dieser CD unterwegs ist, ist „La Cumparsita“, unzählige Versionen existieren von diesem Stück. Die vier Musiker um Klett spielen eine Fassung im Stil von Aníbal Troilo, einem der großen Altmeister des Tangos, dem von ihm gegründeten Orchester gehörte kein Geringerer als Astor Piazzolla an. Schon darin zeigen sich die musikalische Klasse und das tiefe Tango-Verständnis der vier, virtuose Beherrschung der Instrumente vereint sich mit sinnlicher Ausdruckskraft, emotionalen Statements und rhythmisch griffigen Impulsen, die direkt ins Blut gehen. Damit ist außerdem das erste Kapitel der musikalischen Reise umrissen, in drei Epochen ist das Projekt gegliedert: Beginnend bei den 1940er-Jahren, über die 1950er bis hin zu Stücken ab den 1960ern und darüber hinaus. Mit Horacio Salgán, Alfredo Gobbi und Osvaldo Pugliese stehen stilistisch drei der bedeutendsten Tango-Pioniere für eine Vielzahl der Arrangements Pate und verbürgen sich für durch und durch authentisches Tango-Flair. Zwischen temperamentvoll-heißblütigen Klängen schlagen Nummern wie „Zamba para Olvidarte“ zum Ausklang der 1940er-Reihe oder „Milonga triste“ (1976) auch ruhigere, sentimentale Töne an, in denen die Protagonisten mit expressiven Soli hervortreten. Für stilistische Abwechslung sorgt auch der edel geschwungene Vals „Desde el Alma“, der gleichzeitig eine der weiblichen Vorkämpferinnen des Genres vorstellt.

Musikalischer Brückenschlag

Das Programm schlägt zudem eine Brücke zwischen dem ältesten („Coqueta“), zeitlich als einziger aus dem Rahmen fallenden und dem modernsten („Chiru“) Tango, den die Formation im Repertoire hat. Schließlich gibt es noch einen vokal angereicherten Bonus-Track, in „Una vez“ kann man Leonel Capitanos geschmeidig-warme Stimme bewundern. Das Zusammenspiel bleibt stets lebendig und organisch, am Ende ist die Mission wie gewohnt erfüllt: Den vier gelingt ein tiefer, durchdringender Blick in die Seele des Tangos. Etwas sparsam ist leider das Booklet ausgestattet, anders als sonst beschränkt sich auf schlagwortartige Kommentare der Musiker zu den einzelnen Titeln.


Oliver Bernhardt, 26.04.2022

Label: CAvi-music
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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