Magazin: CD-Kritiken
Mozart: Piano & Winds

Details zu Mozart: Piano & Winds: Markus Becker, Ma'alot Quintett

Mozart: Piano & Winds: Markus Becker, Ma'alot Quintett

Frische Farbigkeit

Markus Becker und das Ma'alot Quintett spielen Mozart in neuer, reizvoller Bearbeitung für Klavier und Bläser.

Markus Beckers neue Mozart-Platte, auf der er gemeinsam mit dem Ma’alot Quintett spielt, folgt dem gängigen Schema Ouvertüre, Solokonzert, Symphonie. Dennoch ist sie alles andere als konventionell, denn die Symphonie ist keineswegs das Finale und „Hauptwerk“ in diesem Programm. Sie ist gerade einmal acht Minuten lang, und danach folgt noch ein großes kammermusikalisches Werk. Außerdem, und das ist natürlich die Hauptsache, erklingen die Orchesterwerke in einer neuen Bearbeitung für Bläserquintett.

Die Kombination von Klavier und Bläsern ist für Mozarts Musik durch ihre Farbigkeit und Frische im Grunde optimal. Sie spielt in vielen seiner Klavierkonzerte eine bedeutende Rolle, wo die Bläser immer wieder als kleines Ensemble besonders reizvolle Akzente setzen. Seine Kammermusik für Bläser, von den kleinen Bassetthorntrios über die Serenaden bis hin zur „Gran Partita“, spricht für sich, doch die Kombination von Bläsern und Klavier hat Mozart in der Kammermusik nur einmal verwirklicht, nämlich in seinem Quintett Es-Dur KV 452. Das hielt er selbst im Jahr 1784 für sein bis dahin bestes Werk, und auch wenn die meisten der heute berühmten Meisterwerke Mozarts erst danach entstanden, will das schon etwas heißen. Immerhin gab es damals schon den „Idomeneo“, die „Entführung“, so mache bekannte Symphonie wie etwa die „Pariser“ oder die „Linzer“, Klaviersonaten wie die in A-Dur KV 331 (mit Variationen und Rondo alla turca), Klavierkonzerte wie „Jeunehomme“, alle Violinkonzerte und außer dem Requiem fast alle anderen geistlichen Werke.

Besonders gut gelungen ist Mozart in diesem Quintett die optimale Balance zwischen Klavier und Bläsern, und in der Neuaufnahme mit Markus Becker und dem Ma’alot Quintett kommt das hauptsächlich im langsamen Satz zur Geltung, in dem Mozart den Bläsern häufig den Vorrang gegenüber dem Klavier gibt und ihnen wunderbar cantable Partien zuweist. Die verwirklichen die Bläser hier mit makellosem Ton, sei es solistisch oder im Ensemble.

Quicklebendig

Der Start mit der nicht allzu bekannten Ouvertüre „Der Schauspieldirektor“ KV 486, wie die übrigen Werke vom Klarinettisten des Ma’alot Quintetts Ulf-Guido Schäfer bearbeitet, fällt ungemein schwungvoll aus, denn die Musiker legen hier ein rasantes Tempo vor. In der Symphonie Es-Dur KV 184, ein Jugendwerk des etwa 17-jährigen, überzeugt die Bläserfassung und die Interpretation des Ma’alot Quintetts besonders im Andante und im quicklebendig gespielten Finale. Die kraftvollen Akzente des ganzen Orchesters, die den ersten Satz im Original immer wieder prägen, können die fünf Bläser hingegen nicht ganz so gut umsetzen, sie wirken etwas schroff und hart.

Aus dem gleichen Jahr wie das Quintett stammt das Klavierkonzert G-Dur KV 453. Einige Klavierkonzerte Mozarts können, nach seinem eigenen Bekunden, statt mit Orchester auch mit solistisch besetzten Streichern aufgeführt werden, doch die Idee, den Orchestersatz für Bläser zu bearbeiten, ist offenbar neu. Auch in den Klavierpart hat Ulf-Guido Schäfer teilweise eingegriffen, denn an einigen Stellen übernimmt der Pianist auch Aufgaben, die im Original dem Orchester vorbehalten sind. Tontechnisch sind die Bläser sehr präsent, und beides trägt dazu bei, das Werk weniger als Solokonzert und mehr wie echte Kammermusik wirken zu lassen. Die Aufnahme profitiert ferner von der lebhaften Interpretation der Musiker und den knackigen Akzenten. Besonders im Finale ist die neue Aufnahme wirklich ein großes Vergnügen.


Dr. Jan Kampmeier, 21.04.2022

Label: CAvi-music
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