Magazin: CD-Kritiken
Johan Huys

Details zu Johan Huys: Guy Penson, Cembalo

Johan Huys: Guy Penson, Cembalo

Zeitgenössische Cembalomusik mit Witz

Der Präsident eines Cembalo-Wettbewerbs legt eine CD mit eigenen Kompositionen für das Instrument vor, die als gelungen gelten darf.

Wenn ein Cembalist, der sowohl solistisch wie auch im Ensemble aufgetreten ist, sich selbst als Komponist von Cembalomusik versucht, legt sich die Vermutung nahe, es mit Zeit- und Drittaufgüssen barocken Musizierens zu tun zu haben. Jedoch ist das Solo-Cembalo spätestens seit der Komposition 'Continuum' von György Ligeti in der zeitgenössischen Musik angekommen. An diesem Markstein müssen nachfolgende Kompositionen gemessen werden, auch die von Johan Huys (gesprochen: Höüs). Der Flame ist auf allen Tasteninstrumenten zu Hause, vor allem aber auf dem Cembalo. Er war 39 Jahre der Präsident des Wettbewerbs im MA Festival Brügge, wobei MA für Musica Antiqua steht. Für diesen Wettbewerb komponierte er etliche Stücke für Cembalo. Sie stehen also ursprünglich nicht für sich selbst, sondern hatten eine klar umrissene Funktion. Wie vorliegende Aufnahme zeigt, können sie als selbstständige Kompositionen durchaus bestehen. Sein Schüler Guy Penson entzündet ein wahres Feuerwerk an cembalistischer Virtuosität und hilft mit, den Gedanken an Barockmusik gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Das erste Stück 'Ceci n’est pas une passacaille' (Dies ist keine Passacaglia) ist eine Hommage an den wallonischen Surrealisten René Magritte und seinem Gemälde 'La trahison des images (Ceci n’est pas une pipe)'. Eine gemalte Pfeife, so der Maler, kann man nicht stopfen. Das Stück des Komponisten ist wahrlich keine Passacaglia, enthält aber Elemente davon. Durch die Konnotation mit dem Maler stellt der Komponist klar, dass er sich der Moderne verpflichtet fühlt. Dabei ist der Begriff der Modernen höchst vielschichtig und widersprüchlich. Vom Serialismus zum Beispiel gibt es nichts zu hören. Einflüsse von der Minimal Music sind zu erkennen, wobei gerade einer ihrer Hauptvertreter, Philipp Glass, der Barockmusik hörbar nähersteht als Huys. Auch Henryk Górecki stand wohl unbewusst Pate für einige Figuren. Das alles ist aber verschmolzen mit einem absolut eigenen Stil. Huys arbeitet in einer Art erweiterten Tonalität, kann aber auch Klänge weit jenseits dessen hervorrufen. Er scheut sich nicht, Cluster verschiedenen Umfangs einzusetzen und aberwitzige Sprünge auf dem Instrument einzusetzen. Seine Rhythmik ist spritzig und abwechslungsreich. Er nutzt das Cembalo bis an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Er tut dies alles mit einem großen Stück Humor. Seine Stücke reizen zum Lächeln, machen Spaß, besonders dann, wenn er Elemente aus dem Jazz auf sein Instrument bringt. Lediglich das Tombeau ist leise, langsam und meditativ, wie es sich für eine Trauermusik gehört.

Ligetis Komposition ist zweifellos radikaler. Dennoch kann die Musik Huys‘ daneben bestehen, gerade weil sie anders mit dem Instrument umgeht und eine andere Musik dafür schreibt. Das Booklet ist leider nur in Englisch, Französisch und Niederländisch gehalten. Insgesamt ist eine CD entstanden, die eine staunenswerte Virtuosität des Cembalisten mit einer Musik vereinigt, die dem Hörer Vergnügen bereitet.


Diederich Lüken, 28.10.2021

Label: Passacaille
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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