Magazin: CD-Kritiken
Nostalgia

Details zu Nostalgia: Magdalena Kozena, Yefim Bronfman

Nostalgia: Magdalena Kozena, Yefim Bronfman

Nostalgische Kunst-Folklore

Magdalena Ko?ená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam.

Magdalena Ko?ená hat beim Label Pentatone ihr mittlerweile drittes Album vorgelegt. Diesmal sind es Lieder, mit denen die Mezzosopranistin ihr Publikum umgarnt – und zwar solche, die allesamt im Volksliedhaften fußen. Im Mai 2019 traf sich Ko?ená in Berlin im Aufnahmestudio mit dem Pianisten Yefim Bronfman, um zwei Zyklen von Béla Bartók und Modest Mussorgsky sowie 14 Lieder von Johannes Brahms einzuspielen. Letztere Werke nehmen fast die Hälfte der 64 Minuten Spieldauer ein und runden das anspruchsvolle Programm melodiös ab.

In Bartóks 'Dorfszenen' aus dem Jahr 1924 ist die Künstlerin ganz in ihrem Idiom: Sprache, Melodik, Expressivität fließen energetisch ineinander. Magdalena Ko?ená singt die tschechischen Lieder mit Verve und einer guten Portion Humor. Im dritten Lied 'Hochzeit' lässt sie juchzende Schreie gellen, im 'Wiegenlied' schwingt bereits Melancholie mit, die im fünften und letzten Lied des kleinen Zyklus im Vordergrund steht. Yefim Bronfman ist Ko?ená in diesen Kompositionen ein umsichtiger Partner und Begleiter. Die schroffen Akkorde und schillernden Farben von Bartóks Begleitung zu den folkloristischen Melodiefragmenten kommunizieren gut mit Ko?enás Gesang, entfalten ihre Wirkung im kontrastreichen und spielfreudigen Balanceakt zwischen den beiden Akteuren. Was vom ersten Ton an beeindruckt, ist Ko?enás noch immer unverwechselbares Timbre, der warme Glanz ihres metallischen Mezzosoprans, der runde, kultivierte Klang, das bestens kontrolliert eingesetzte Vibrato.

Viel Stimmschönheit

Bei so viel Stimmschönheit wird man beim Hören gerne auch nostalgisch – passend zum Albumtitel 'Nostalgia', der neben Bartóks Liedern auch die 'Kinderstube' von Modest Mussorgsky meint. Diese sieben Lieder bilden quasi das Herzstück der CD. Bronfman und Ko?ená sind auf der Suche nach Farben und kurzen Situationen, die sie mit musikalischen Mitteln zu verdeutlichen suchen. Das klingt zweifellos tonschön und lebendig, aber wenn man an die Interpretation dieses Zyklus' von Irmgard Seefried oder Marjana Lipovšek denkt, dann vermisst man eine gewisse Dringlichkeit des Erzählens, eine Doppelbödigkeit, den Schritt über den kunstvollen Gesang hinaus. Ko?ená und Bronfman sind keine primären Geschichtenerzähler, eher ein blendend eingespieltes Duo, das sich in Klangwelten versenkt und dabei auf das Transportieren der Inhalte rein durch die Komposition vertraut.

Den Mut der Bartók-Interpretation findet man bei den Mussorgsky-Liedern nur teilweise und bei Brahms vermisst man sprachliche und damit einhergehend inhaltliche Eloquenz und Prägnanz. Das Deutsch der Künstlerin ist beileibe nicht schlecht, aber ihre Artikulation ist zu weich, um den Text wirklich verstehen zu können, ein Spiel mit den Worten erscheint nur begrenzt möglich. Bronfman greift kernig in die Tasten, genießt den dichten Klaviersatz und Magdalena Ko?ená gießt ihre Ausnahmestimme in berückender Art und Weise über den Melodien aus. Die Lieder geraten vor diesem Hintergrund alle recht ähnlich, auch wenn es herrlich anrührende und intensive Momente gibt wie in 'Nachtigall' oder in 'Unbewegte, laue Luft', die allein in ihrer Tongebung bestechen.

Während die Brahms-Lieder nur bedingt überzeugen, so sind vor allem mit Bartóks 'Dorfszenen' und Mussorgskys 'Kinderstube' diskografische Erweiterungen gelungen, die es allemal zu entdecken lohnt. Die abgedruckten Lied- und Einführungstexte sind, wie üblich bei Pentatone, nur in englischer Übersetzung bzw. Sprache im Beiheft zu finden. Hier wäre deutlich Luft nach oben.


Benjamin Künzel, 20.05.2022

Label: Pentatone Classics
Interpretation: 
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Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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