Magazin: CD-Kritiken
Enescu: Complete works for Cello & Piano

Details zu Enescu: Complete works for Cello & Piano: Rudolf Leopold, Raluca Stirbat

Enescu: Complete works for Cello & Piano: Rudolf Leopold, Raluca Stirbat

Mehr Expertise geht kaum

Raluca Stirbat und Rudolf Leopold spielen George Enescus Werke für Klavier und Cello.

Bei ihr ist Enescus Musik sicher in den besten Händen: Die Pianistin Raluca Stirbat hat bereits eine Gesamtaufnahme aller seiner Klavierwerke vorgelegt – und sie ist die einzige, die das bisher getan hat. Außerdem hat sie über Enescus Klavierschaffen ihre Dissertation verfasst und gründete die George Enescu Gesellschaft. Mehr Expertise geht kaum.

Nun hat Raluca Stirbat eine Platte mit dem gesamten Schaffen Enescus für Klavier und Cello aufgenommen, zusammen mit Rudolf Leopold, einem äußerst erfahrenen Cellisten und Kammermusiker. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Den beiden ist eine klanglich opulente, überaus lebhafte und energische Interpretation gelungen. Dabei ist es beeindruckend, wie genau die beiden Musiker die teilweise äußerst komplexen Strukturen der Musik deutlich machen – nur mit dem häufig vorgeschriebenen Portamento oder Glissando, dem gleiten zwischen zwei Tönen, das Enescu häufig verlangt, ist Rudolf Leopold doch sehr zurückhaltend.

Stilistische Unterschiede

Der Cellist hat außerdem die Coda für ein unvollendetes Allegro in f-Moll komponiert, das ursprünglich für eine Cellosonate gedacht war. Davon gibt es bei Enescu zwei, eine frühe von 1898 und eine wesentlich spätere von 1935. Kurioserweise hat Enescu sie beide als op. 26 zusammengefasst, obwohl die stilistischen Unterschiede enorm sind, ist die Tonsprache im späteren Werk doch um Längen herber.

Enescu hat einen ganz eigenen Stil entwickelt, der von den Traditionen des 19. Jahrhunderts, aber auch von Bezügen zur Barockmusik, die man in seinen Jugendwerken noch deutlich hören kann, ziemlich weit entfernt ist und folkloristische Elemente zumindest stark verfremdet. Deshalb sind die frühen Werke natürlich viel leichter zu hören, zumal sie überhaupt nicht unreif und sehr reizvoll daherkommen. Außer der ziemlich umfangreichen frühen Sonate handelt es sich dabei um das bereits erwähnte Allegro sowie um zwei kurze Sätze mit dem Titel 'Nocturne et Saltarello'. Man muss sich vor Augen halten, dass diese Werke in Brahms’ Todesjahr bzw. dem Jahr darauf entstanden, der Teenager Enescu hat den alten Brahms wohl sogar noch persönlich getroffen, als er in Wien ausgebildet wurde.

Raluca Stirbat hat auch zwei einführende Artikel für das Beiheft geschrieben und betont darin die Wiener Einflüsse in Enescus Cello-Werken. Möglicherweise hat sie sich daher auch bewusst für einen ‚wienerischen‘ Flügel entschieden, einen Bösendorfer. Nach den Fotos könnte man auf ein älteres Instrument schließen, tatsächlich spielt sie aber ein ganz neues Modell, das sich klanglich sehr gut macht.


Jan Kampmeier, 25.11.2021

Label: Paladino
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeigen

IMMA NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)