Magazin: CD-Kritiken
J.S.Bach: Toccatas

Details zu J.S.Bach: Toccatas: Claire Huangci, Klavier

J.S.Bach: Toccatas: Claire Huangci, Klavier

Bach mit Herz und Seele

Claire Huangci empfiehlt sich mit ihrem neuen Album für weitere Bach-Aufgaben.

Schon immer hat Bach im Leben der Pianistin Claire Huangci eine wichtige Rolle gespielt. Ab dem Alter von 10 Jahren erhielt sie Unterricht bei der berühmten Klavierpädagogin Eleanor Sokoloff, die sie jede Woche Präludien und Fugen aus dem WTC lernen ließ. Ganz im Zeichen des Thomaskantors steht Huangcis neues Album. Diskographisch sind Bachs Toccaten, zumal auf dem Klavier bislang eher stiefmütterlich behandelt worden, auch im Konzertsaal begegnet man ihnen eher selten. Mit einer Ausnahme: Die Anfangstakte der Toccata d-Moll BWV 565 kennt so gut wie jeder, von ihnen hat die Werbe- und Filmindustrie überaus regen Gebrauch gemacht.

Mit geballter musikalischer Energie und Präsenz schafft Huangci es, dass man selbst hier ganz genau hinhört. Mit den hohen technischen Anforderungen der Busoni-Bearbeitung hat Huangci keine Mühe, die vollgriffigen Akkordungetüme und rasenden Unisono-Figuren bewältigt eine Supertechnikerin wie sie mit Leichtigkeit. Die verzweigten Stimmen der Fuge sind dezidiert hörbar. Die übrigen Toccaten sind alle ‚reinrassiger‘ Bach und in ihrer Gesamtheit dessen Frühwerk zuzuordnen. In der Introduktion von BWV 915 baut sie intensiv vorbereitende Spannung auf, mit vitaler Ornamentik und gestochen scharfer Artikulation spielt sie das 'Allegro'. Klangsensibel versenkt sie sich ins 'Adagio', dynamisch fein abgestuft sind darin die Trillerfiguren. Mit elastischer Phrasierung hebt sie die Stimmen der 'Fuge' hervor, die tänzelnde kanonische Verarbeitung des Themenmaterials wirkt bei aller Strenge der Form spielerisch ungezwungen. Rhythmisch stringent gestaltet sie die 'Introduktion' der e-Moll-Toccata BWV 914, ihre tiefenscharfe Formgebung beschränkt sich nicht auf analytische Präzision, Huangcis Bachspiel hat auch Herz und Seele. Nicht nur plastisch und mit zwingendem agogischem Impetus tritt das Fugenthema hervor, Stimmen entwickeln gleichzeitig ein dynamisch aktives Eigenleben.

Kein Schablonendenken

Mit prägnanter Deutlichkeit treten die Bassgänge der linken Hand in der Einleitung von BWV 911 hervor, scharf umrissene Konturen und hellwache musikalische Ausgestaltung setzen sich durchgängig fort. Überhaupt einen Kritikpunkt zu finden, ist da schwer, wenn überhaupt, dann vielleicht, dass das 'Presto' der d-Moll-Toccata nicht wirklich ein 'Presto' ist. Am Ende nimmt man ihr aber selbst diese punktuell ungewöhnliche Tempowahl ab. Ansonsten begeistert im 'Allegro' eine signifikante Stimmführung ebenso wie fein geschwungene, in einfühlsame 'Adagio'-Sphären überleitende Arpeggien in der 'Introduktion' der fis-Moll-Toccata BWV 910.

Das Gefühl, dass hier jemand eine rein mathematische Schablone anlegt, hat man nie, Huangcis Interpretationen sind erfüllt von pulsierendem musikalischem Leben. Noch reichere Klangfarben wären auf einem anderen Flügel als dem verwendeten Yamaha CFX möglich gewesen. Das aber ist eine Frage des Instruments und nicht von Huangcis exzellentem Bachspiel. Das WTC, Suiten, Partiten oder die 'Goldberg-Variationen'? Kann man sich für hoffentlich weitere Bach-Alben bei Huangci bestens vorstellen!


Thomas Gehrig, 06.12.2021

Label: Berlin Classics
Interpretation: 
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Booklet: 




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