Magazin: CD-Kritiken
Songs for New Life and Love

Details zu Songs for New Life and Love: Ruby Hughes, Joseph Middleton

Songs for New Life and Love: Ruby Hughes, Joseph Middleton

Fragile Klangpoesie

Für ihr Album 'Songs for New Life and Love' hat die britische Sopranistin Ruby Hughes Lieder rund um die existentiellen Themen Liebe, Mutterschaft und Tod ausgewählt.

Zum Zeitpunkt der Konzeption eines Rezitals mit Liedern von Gustav Mahler, Charles Ives und Helen Grime war Ruby Hughes schwanger. Vorausgegangen war eine Anfrage von der Komponistin Helen Grime, die im Jahr zuvor Mutter geworden war und die Sopranistin für die Uraufführung ihres fünfteiligen Liederzyklus gewinnen wollte. Grime hatte hierzu auf fünf der neun Gedichte von Fiona Benson zurückgegriffen, die Benson in ihrer ersten Gedichtsammlung „Bright Travellers“ dem Thema Mutterschaft gewidmet hatte. In „Soundings“, „Brew“, „Visitations“ und „Milk Fever“ beschreibt Grime auf traditionell neue Weise im Zusammenspiel von Stimme und Klavier ein disparates Empfinden. Schlanke atmosphärische Klänge überwiegen im Klavierpart, während sich in der Stimme Angst, Unsicherheit, Freude, Überraschung und Ungeduld vermischen.

Souverän meistert Ruby Hughes die extremen Sprünge, gestaltet mit Leichtigkeit miniaturhafte Verzierungen und formt schwebende Passagen am Rand der Brüchigkeit. „Council Offices“, die Nr. 5 in diesem Reigen, fällt aus dem Rahmen. Trauer dominiert die Grundstimmung, weite Strecken werden unbegleitet gesungen. Es ist ein Lamento über tot geborene Kinder, die Ruby Hughes mit gezielt brüchigem Ausdruck in den ewigen Schlaf singt.

Emotionen in einem Hauch gerade noch klingender Töne kennzeichnen auch die Interpretationen dreier Lieder von Charles Ives. In „Serenity“ gestaltet Ruby Hughes mit leisen und weichen Tönen, um das Göttliche zu beschreiben. „The Children´s Hour“ erzählt vom Spiel dreier Mädchen, doch Ives konzentrierte sich vor allem auf magische Momente. „Songs my Mother taught me“ bezaubert durch die noble Schlichtheit der Melodie. Ruby Hughes strahlt bei diesen Liedern schlafwandlerische Innerlichkeit aus. Extrem fragil ist ihr lyrischer Gesang, sphärenartig scheint er in eine unbestimmbare Weite zu wehen und das in samtiger Zartheit.

Tiefgang durch Entschlackung

Was Ruby Hughes nicht liegt, sind dramatische Passagen, ein sattes Forte, Stimmkraft, wenn die Begleitung dichter, dominierender wird, wie es Gustav Mahler in seinen Liedern immer wieder verlangt. Vieles davon gleicht sie in den „Liedern eines fahrenden Gesellen“ und den „Kindertotenliedern“ durch ihre subtile Gestaltung aus, wesensverwandt zum Pianisten Joseph Middleton, der vielfarbig und minutiös auf Stimmklang, Tempo und Farbe abgestimmt den gleichberechtigten Klavierpart einfühlsam ausführt.

Üblicherweise erklingen diese Lieder mit großem Orchester. Umso mehr überrascht und begeistert die vordergründig entschlackte Form. Ruby Hughes und Joseph Middletons erweisen sich als Meister der Phrasierung. In ihrer von Sorgfalt und Kenntnis bestimmten Interpretation zeichnen sie feinste Strukturen nach, die in der weichen und oft zu wabernden Orchesterklangfülle unhörbar bleiben. Weiten Raum erfährt, was in Mahlers Liedern im psychologischen Subtext steckt, ein Kaleidoskop an Stimmungen und Empfindungen einer fragilen Seele.


Christiane Franke, 14.04.2022

Label: BIS Records
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