Magazin: CD-Kritiken
Karol Szymanowski: Piano Music

Details zu Karol Szymanowski: Piano Music: Marek Szlezer, Klavier

Karol Szymanowski: Piano Music: Marek Szlezer, Klavier

Herbe Tänze

Marek Szlezer legt beim Label Dux eine der Musik Karol Szymanowskis gewidmete Platte vor, die vor allem Mazurken enthält.

Allein das op. 50 dauert in dieser Aufnahme über 52 Minuten und besteht aus nicht weniger als 20 Mazurken. Dazu kommen noch zwei weitere Mazurken mit der Opuszahl 62. Bei Mazurken denken die meisten Klassik-Freunde wohl gleich an Chopin, und selbstverständlich setzt der Pole Karol Szymanowski auch dessen Tradition fort. Und doch klingen seine Mazurken, 1924 bzw. 1934 entstanden, natürlich ganz anders. Der typisch voluminöse, üppige Klaviersatz des 19. Jahrhunderts wird zwar auch aufgegriffen, meist aber herrscht eine gewisse Sparsamkeit der Mittel. Einstimmige Melodien sind keine Seltenheit, häufig mit mehr oder weniger akkordischer Begleitung. Obwohl diese Melodien eindeutig folkloristische Färbung haben, darf man sich darunter allerdings keine schlichten oder einfachen Gebilde vorstellen, im Gegenteil: Die Musik klingt durchweg ziemlich herb. Das ist bei einem Zyklus von dieser Länge nicht ganz leicht zu hören, doch eigentlich ist Szymanowskis op. 50 auch gar kein Zyklus. Für die CD ergibt es Sinn, die 20 Mazurken ‚am Stück‘ zu spielen, doch damit ist dies keine Platte, die man einfach so durchhören sollte. Nicht umsonst hat der Komponist seine Mazurken op. 50 in fünf Hefte zu je vier Mazurken gruppiert. In solchen Vierer-Sets kann man die Stücke nämlich viel besser würdigen.

In seinem knapp zehn Jahre später entstandenen op. 62 fasst Szymanowski nicht mehr 20, sondern lediglich zwei Mazurken zusammen. Erinnert das op. 50 vielleicht etwas an Bartók, so ist der Stil hier ganz anders, vielleicht impressionistischer, obwohl solche Vergleiche nur bedingt zutreffen. Ohne Opuszahl kommen vier polnische Tänze aus dem Jahr 1926 aus. Auch sie enthalten eine Mazurka, daneben einen Krakowiak, einen Oberek und eine Polonaise. Besonders die abschließende Polonaise ist sehr viel massiver gesetzt.

Eindrucksvolle Umsetzung

Der Pianist Marek Szlezer setzt all das recht eindrucksvoll um: Das Pedal dosiert er eher sparsam und lässt den Klang dadurch etwas trocken und sozusagen ‚objektiv‘ wirken. Die Stimmen gewichtet er sehr sorgfältig und das Tempo handhabt er flexibel, aber so, dass es immer ganz selbstverständlich wirkt. Sein Vortrag wirkt immer entschlossen und die dynamische Gestaltung lebhaft. Man kann sich angesichts der gelungenen Interpretation schon fragen, warum man Szymanowskis Klaviermusik doch recht selten nur begegnet. Das Ganze ist im Juni letzten Jahres vom Label Dux tontechnisch sehr gut aufgenommen worden, mit ungewöhnlich starkem Bass allerdings.

Die Platte enthält außerdem noch zehn ‚Lieder ohne Worte‘, die wie eine Zugabe wirken. Karol Szymanowski hat sie nicht komponiert, er hat vielmehr bereits existierende polnische Lieder für Klavier solo bearbeitet. Sie unterscheiden sich sehr deutlich von den übrigen Stücken der CD, sind wesentlich schlichter und weniger herb, auch wenn Szymanowskis Harmonisierung sehr schillernd ausfällt. Marek Szlezer reagiert auf den ganz anderen Charakter dieser Stücke mit mehr Pedal und einem insgesamt viel weicheren Klang. Der Pianist hat auch den Text für das Beiheft selbst geschrieben und beschreibt darin Szymanowskis Stil sehr anschaulich. Leider ist der Text allerdings nur auf Polnisch und Englisch gedruckt.


Jan Kampmeier, 27.10.2021

Label: DUX
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

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