Magazin: CD-Kritiken
Keynotes

Details zu Keynotes: Corina Marti, Orgel

Keynotes: Corina Marti, Orgel

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Diese CD bietet Musik für Tasteninstrumente aus der Frühzeit der abendländischen Mehrstimmigkeit in vorbildlicher Interpretation.

Zunächst steht eine Frage im Raum, die nicht so einfach zu beantworten ist: Wie kann es aus der Frühzeit der Mehrstimmigkeit Kompositionen für Tasteninstrumente geben? Die Musik dieser Zeit enthielt fast ausschließlich vokale Kompositionen im liturgischen Bereich. Eine rein instrumentale Musik gab es nur auf Jahrmärkten und Tanzveranstaltungen, war also weit entfernt von dem, was man ernste Musik zu nennen pflegt. Allerdings enthält die CD Musik auch aus diesem Umfeld, durchaus zum Vergnügen der Zuhörer. Ansonsten haben wir es auf tatsächlich mit Vokalmusik zu tun, allerdings übertragen, intavoliert für Tasteninstrumente. Diese Übertragungen konnten zur Zeit ihrer Entstehung die vokalen Stücke ersetzen, wenn eine sängerische Aufführung aus welchen Gründen auch immer nicht möglich war, oder einfach auch um für Abwechslung in der Messe zu sorgen.

Eine Fülle von Gestaltungen im ausgehenden Mittelalter wird dem Hörer präsentiert, die meisten von anonymer Herkunft. Das älteste Stück dieser CD bezieht sich auf das Organum, der frühesten Form der Mehrstimmigkeit, etwa bis zum 11. Jahrhundert virulent. Es handelt sich um liturgische Gesänge über einen stets gleichen Ton im Bass. Die Entwicklung von der späteren Notre-Dame-Schule bis hin zu Komponisten wie Francesko Landini wird durchschritten, um nur diesen bekanntesten der Namen zu erwähnen. Ars Antiqua, Ars Nova, die beiden entscheidenden Stilrichtungen dieser Zeit, die, der Name sagt es schon, einander ablösten, kommen zu Gehör. Eine der Intavolierungen bezieht sich auf ein Volkslied in deutscher Sprache. Auch ganz vorsichtige Annäherungen an eine Musik ohne vokale Quelle deutet sich an, frühe Formen der Virtuosität, allerdings beschränkt auf einen gottesdienstlichen Rahmen.

Abwechslung und Farbe

Corina Marti, die uns diesen Reichtum früher abendländischer Musik präsentiert, benutzt dazu vier Instrumente: zwei Orgeln, ein Clavisimbalum, das ist eine Frühform des Cembalos, noch ohne Dämpfung und fast wie ein Hackbrett klingend, und ein Claviciterium, ein Cembalo, dessen Saiten nicht horizontal, sondern vertikal ausgerichtet sind. Durch diese Instrumente kommen Abwechslung und Farbe in das musikalische Geschehen. Marti hat sich einen international bekannten Namen mit spätmittelalterlicher Musik erworben. Die vorliegende Aufnahme bestätigt ihren Rang. Sie erkennt ruhige Abschnitte, bewegte Abschnitte, Meditation und Virtuosität. So bringt sie das Rüstzeug für die Darstellung dieser Musik mit. Ihre manuelle Technik ist untadelig.

Das Booklet bietet eine Einführung in die Musik dieser Zeit. Allerdings ist es schwierig, die Kommentare zu den einzelenen Stücken aufzufinden. Eine Kommentierung jedes einzelnen Stückes für sich in der Reihenfolge der CD wäre hilfreich gewesen. Kenner und Liebhaber der Musik aus gotischer Zeit werden diese CD mit Gewinn hören.


Diederich Lüken, 04.11.2021

Label: Ramée
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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