Magazin: CD-Kritiken
The Complete Songs of Fauré Vol.4

Details zu The Complete Songs of Fauré Vol.4: John Mark Ainsley, Lorna Anderson, Isobel Buchanan, John Chest

The Complete Songs of Fauré Vol.4: John Mark Ainsley, Lorna Anderson, Isobel Buchanan, John Chest

Würdiger Abschluss

Auch in Folge 4 seiner Fauré-Liededition überzeugt Malcolm Martineau mit traumhafter Sängerriege.

Fünf Jahre wurden für Malcolms Martineaus Gesamteinspielung des Liedschaffens von Gabriel Fauré mit britischen Gesangskünstlern benötigt – das Ergebnis strukturiert aber nicht etwa nach mitwirkenden Sängern oder konsequent nach Opuszahlen, sondern vielmehr in einer bewussten Mischung verschiedener Parameter. Auf Folge 4 sind zwei vollständige Zyklen enthalten – ‚La bonne chanson‘ op. 61 nach Paul Verlaine mit der Sopranistin Kitty Whately und ‚L’horizon chimérique‘ op. 118 nach Jean de la Ville de Mirmont mit John Chest.

Schwieriges Repertoire

Neben diesen beiden zentralen Interpreten gibt es auch ein Wiederhören mit Lorna Anderson, Isobel Buchanan, Ann Murray, Sarah Connolly, Iestyn Davies und John Mark Ainsley, bewährten und geschätzten Vokalisten feinen und schwierigen Repertoires. Dass mehrere dieser Interpreten eher am Ende ihrer Karriere stehen, ist nur sehr selten zu hören. Ainsley etwa musste sie aus Gesundheitsgründen beenden, stimmlich durchaus noch ganz ohne Verschleißerscheinungen, mit sensibler Tongebung und stilvollen Spitzentönen (wo man gelegentlich schon eine ganz leichte Unsicherheit erahnen kann). Nicht minder überzeugend ist der Countertenor Iestyn Davies – längst nicht der erste Sänger, der sich Liedern der Belle époque zuwendet, doch einer, der dies vokal am erfolgreichsten tut. Von Sarah Connolly hören wir nur das berühmte ‚Prison‘ op. 83 Nr. 1, eine Sängerin mit Stilgefühl und der Fähigkeit zur feinen Farbschattierung – ihre Aufnahme entstand drei Monate bevor sie sich wegen ihrer Krebsbehandlung von der Bühne zurückziehen musste. Ann Murray ist in der ‚Vocalise 21‘ erfreulich gut bei Stimme (in etwas älteren Einspielungen waren Abnutzungserscheinungen deutlich stärker zu hören), auch hier erweist sie noch oder wieder eine vorbildliche Atemtechnik.

Lorna Anderson, auf Tonträger zu selten festgehalten, ist eine genuine Fauré-Sängerin, und wenn sie ‚Pleurs d’or‘ op. 72 im Duett mit dem Bariton John Chest singt, dürfen wir einer Sternstunde des Fauré-Gesangs beiwohnen. Whately und Chest erweisen sich als hochkarätige Nachwuchskünstler, die den ‚Veteranen‘ (beinahe) das Wasser reichen können. Vielleicht fehlt Whately noch etwas die eigene vokale Charakteristik und sie muss unbedingt auf ihr Vibrato achten, doch bleibt alles im Rahmen und sie vermittelt in ‚La bonne chanson‘ überzeugend eine innere Unruhe, die der Musik gut ansteht. In ‚L’horizon chimérique‘ vereint Chest gar die besten Qualitäten eines Gérard Souzay und eines José van Dam, ohne jeden Hauch Larmoyanz, der bei manchen anderen britischen Baritonen gelegentlich mitschwingt. Vielleicht am wenigsten gut gehalten hat sich die Stimme Isobel Buchanans, die zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen ihr 60. Lebensjahr bereits vollendet hatte.

Vom ersten Takt an bezaubert Malcolm Martineau durch sein differenziertes Spiel. Zurzeit gehört er sicher zu den fünf besten Liedpianisten der Welt, er drängt sich nicht vor, bietet aber genügend Eigeninitiative, um ein vorbildlicher Liedpartner zu sein, kein ‚Begleiter‘, die dies von manchen Fehldenkenden noch immer formuliert wird.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 23.08.2021

Label: signum classics
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Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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