Magazin: CD-Kritiken
J.S.Bach: Piano Transcriptions

Details zu J.S.Bach: Piano Transcriptions: Kotaro Fukuma, Klavier

J.S.Bach: Piano Transcriptions: Kotaro Fukuma, Klavier

Transkribierter Querschnitt

Kotaro Fukuma widmet sein neues Album Bach-Bearbeitungen.

Die Anzahl existierender pianistischer Bach-Transkriptionen für Klavier ist stattlich. Eine Auswahl von insgesamt 12 Bearbeitungen hat der japanische Pianist Kotaro Fukuma auf seiner neuen, bei Naxos erschienenen CD vorgelegt. Nicht fehlen dürfen da natürlich Busoni-Arrangements, drei von dessen Choralbearbeitungen sind u. a. zu hören. Den höchsten Bekanntheitsgrad erreicht haben 'Nun komm‘ der Heiden Heiland' BWV 659 und 'Ich ruf‘ zu Dir, Herr Jesus Christ' BWV 639 – beide oft und gerne, beispielsweise von Alfred Brendel oder Grigory Sokolov, als Encore verwendet. Deren reflektierten Tiefgang erreicht Fukuma hier nicht, für die gesangliche Darstellung der Oberstimme und die musikalischen Atempausen nimmt er sich etwas zu wenig Zeit. Mit angenehm schwereloser Leichtigkeit spielt er Egon Petris (1881-1962) Fassung von 'Schafe können sicher weiden' aus der 'Jagd-Kantate' BWV 208. Präzise Stimmführung und kantable Innigkeit verleiht er Myra Hess‘ (1890-1965) Bearbeitung von 'Jesus bleibet meine Freude'.

Kaum in Verbindung mit Bach-Transkriptionen bringt man auf Anhieb Camille Saint-Saëns, seine Einrichtung der 'Sinfonia' (Ouvertüre) aus der Kantate BWV 29 assoziiert man denn auch spontan mit Rachmaninoffs berühmter Version des (von Bach auch in der Partita E-Dur BWV 1003 verwendeten) Themas. Saint-Saëns‘ Fassung ist klanglich etwas fülliger, Fukuma gelingt eine dynamisch schattierte Darstellung mit prägnanter Führung der kräftigen Bassstimmen. Franz Liszts Arrangement von Präludium und Fuge a-Moll BWV 543 erhält eine auch in komplexen Klangschichtungen gut durchhörbare, musikalisch lebendige Ausgestaltung.

Gehaltvoller Beitrag

Zu den ‚Klassikern‚‘ gehört auch Wilhelms Kempffs Version des 'Siciliano' aus der Flötensonate Es-Dur BWV 1031, der Fukuma leider mit einer etwas eigenwilligen Staccato-Artikulation in der Begleitfigur zu sehr den gesangvoll-melodischen Charakter nimmt. Mit der Klavierfassung von Bachs Chaconne aus der d-Moll-Partita BWV 1004 assoziiert man fast wie von selbst die Bearbeitung Busonis. Fukuma spielt diejenige von Johannes Brahms, stellenweise allerdings mit etwas träger Agogik und zu wenig Beweglichkeit in der Phrasierung. Besonders interessant ist Fukumas eigenes Arrangement der Arie 'Erbarme Dich, mein Gott' aus der 'Matthäus-Passion' BWV 244. Er beweist darin hohe satztechnische Kompetenz und rückt das Stück in ein pianistisch gehaltvolles Licht. Als Raritäten präsentiert er Eugen d‘Alberts (1864-1932) Auseinandersetzung mit Passacaglia und Fuge c-Moll BWV 582 und Samuil Feinbergs (1890-1962) Adaption des Chorals 'An Wasserflüssen Babylon' BWV 653, beide vorgetragen mit hoher Musikalität. Insgesamt gelingt ihm mit dieser Veröffentlichung ein lohnender Querschnitt durch die transkribierte Bach-Literatur. Nicht ganz zu überzeugen vermag der Klang des Instruments, speziell in der Mittellage fehlt es dem verwendeten Bechstein an klanglich tragender Wärme.  Das Booklet enthält ein persönliches Statement des Künstlers zu den Entstehungsumständen des Albums, mit Erläuterungen zu den Werken geht es leider sehr sparsam um, eine deutsche Übersetzung ist nicht enthalten.


Thomas Gehrig, 03.08.2021

Label: Naxos
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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