Magazin: CD-Kritiken
J.S.Bach: Sonatas for violin & harpsicord

Details zu J.S.Bach: Sonatas for violin & harpsicord: Daniel Gaede, Raphael Alpermann

J.S.Bach: Sonatas for violin & harpsicord: Daniel Gaede, Raphael Alpermann

Zwei Instrumente musizieren im Trio

Das Gleichgewicht der Instrumente ist bei diesen Sonaten von Johann Sebastian Bach unerlässlich. Die Interpreten wissen es herzustellen.

Dass Johann Sebastian Bach neue Pfade für die Musik seiner Zeit freigelegt hat, wird besonders deutlich in seinen 'Sechs Trios für Clavier und die Violine', wie die Titelseite der Abschrift von Bachs Schüler und Schwiegersohn Johann Christoph Altnikol lautet. Das Klavier in heutigem Sinne stand zur Zeit der Komposition der Sonaten noch nicht zur Verfügung, sodass man hier davon ausgehen muss, dass das Cembalo gemeint ist. Man stolpert dabei über zwei Besonderheiten: dass das ‚Clavier zuerst genannt wird und dass es nicht drei Instrumente sind, wie man von einem Trio erwarten müsste, sondern nur zwei. Die beiden Phänomene hängen zusammen.

Das Tasteninstrument wird als erstes genannt, weil es ‚obligat‘ geführt wird, das heißt, es enthält eine selbständig geführte Stimme, die für das jeweilige Stück unentbehrlich ist. Das steht im Gegensatz zu Sonaten für Violine und Cembalo, in denen das Tasteninstrument nur eine begleitende Funktion hat, wie zum Beispiel bei den Violinsonaten von Corelli. Daraus ergibt sich der Sinn der Bezeichnung ‚Trio‘: Eine Stimme kommt von der Geige, eine weitere vom Cembalo und die dritte aus dem Bassregister des Cembalos, letztere vertritt den Generalbass (Basso continuo), der in größeren Instrumentalwerken von Tasteninstrument und Bassinstrument gebildet wird. Damit bekommt das Cembalo ein Gewicht, das es vorher nicht hatte. Der Weg zum Duo Violine-Klavier kommender Zeiten war geebnet.

Versiert

Diese Vorbemerkung ist nötig, um die vorliegende Aufnahme korrekt würdigen zu können. Denn dass Daniel Gaede ein hervorragender Geiger ist, der die technischen Ansprüche der Kompositionen mühelos beherrscht, bedarf kaum der Erwähnung. Auch beherrscht er das Spiel ohne Vibrato; er ist versiert in der barocken Spielpraxis. Wie er zum Beispiel in der ersten Sonate den Beginn wie aus dem Nichts kommend dem Cembaloklang hinzufügt, ist ebenso überzeugend wie berührend. Den Kontrast des ersten zum zweiten Satz in der vierten Sonate gestaltet er zwingend und überraschend. So könnte man Satz für Satz die Meriten des Geigers aufzählen. Dass dabei manche Abschattierung feiner kommen könnte, ist nur ein geringes Manko, vielleicht mehr dem Geschmack des Hörers als der Ausführung durch den Musiker geschuldet.

Bislang war nur vom Geiger die Rede, der Cembalist blieb nahezu unerwähnt. Das ist kein Zufall. Denn das Übergewicht der Geige gegenüber dem Cembalo ist zwar nicht mehr so eindeutig wie zum Beispiel bei Oistrach oder Kogan in den Vergleichsaufnahmen. Aber von der Ebenbürtigkeit des Cembalos zur Geige ist auch die vorliegende CD noch zu weit entfernt. Raphael Alpermann spielt seinen Part souverän, daran gibt es kaum etwas auszusetzen. Doch kann er das leichte Ungleichgewicht gegenüber der Geige nicht berichtigen. Möglicherweise liegt es auch an der ansonsten brillanten Aufnahmetechnik. Bei allen Vorzügen, die diese Aufnahme enthält, ist das doch eine Einschränkung, die der CD den fünften Stern raubt.


Diederich Lüken, 13.08.2021

Label: Tacet
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