Magazin: CD-Kritiken
Beethoven: The last three sonatas

Details zu Beethoven: The last three sonatas: Sunwook Kim, Klavier

Beethoven: The last three sonatas: Sunwook Kim, Klavier

Im dritten Anlauf zur Trias

Sunwook Kim geht seinen Beethoven-Weg zielstrebig weiter.

An die große Trias der letzten Beethoven-Sonaten op. 109-111 hat sich der koreanische Pianist Sunwook Kim auf seinem neuen, bei Accentus erschienenen Album herangewagt. Über Beethoven-Expertise verfügt er bereits reichlich, zwei Einspielungen mit Sonaten hatte er bereits zuvor vorgelegt. Entstanden sind die Aufnahmen im besonderen Ambiente des Leipziger Kunstkraftwerks. Mit vereinnahmender Wärme spielt Kim das kantable Hauptthema des Kopfsatzes, mit kraftvoller Entschlossenheit das 'Prestissimo'. 'Gesangvoll, mit innigster Empfindung' ist der Schlusssatz überschrieben, der hier allerdings mehr kantable Ruhe vertragen könnte. Piano-Sphären könnte Kim mehr klanglichen Feinschliff verleihen, Kantilenen mehr Entfaltungsspielraum geben. Mit stimmlich geschärftem Profil gelingt ihm die kontrapunktische Episode, zum Ende hin schöpft er dynamisch aus dem Vollen und findet auch zu einem sensibleren Pianissimo. Den lyrischen Tiefgang einst Alfred Brendels oder aktuell Igor Levits erreicht er hier indessen nicht.

Kantable Innigkeit

Die As-Dur-Sonate op. 110 eröffnet er mit glasklar perlenden Arpeggien, seine Phrasierung ist prägnant und aus einem Guss. Das 'Allegro molto' hingegen gerät relativ kantig und findet zu keinem rechten musikalischen Fluss. Umso eindringlicher versenkt Kim sich in die Einleitung des letzten Satzes, hier beweist er, mit wieviel Innigkeit er Melodien aussingen kann, feinfühlig ebnet er so den musikalischen Weg hin zur finalen Fuge. Deren Stimmführung ist straff und akkurat, musikalische Architektur und Dramaturgie sind eindringlich dargestellt. Klanglich hell strahlt zum Ausklang die sich hoffnungsvoll bahnbrechende Diskant-Dimension, ein wenig zu hart akzentuiert er demgegenüber stellenweise im Bassregister.

Großes Potential

Die Anfangstakte der c-Moll-Sonate op. 111 stellt er mit herausfordernd vollgriffiger Geste in den Raum, das sich anschließende Thema formt er leider zu sehr in die Breite, Tempo und musikalische Entwicklung wirken insgesamt etwas träge. Die Arietta schließlich besitzt eingangs zwar eine rhythmisch zwingende Diktion, der charakteristische Triller entfaltet jedoch nicht das spektrale Innenleben wie bei einem Sokolov oder Pletnev. Die Liga der großen ausgewiesenen Beethoven-Spezialisten hat er noch nicht erreicht, seine Musik liegt ihm aber zweifellos. Insgesamt gelingen ihm Interpretationen der drei letzten Sonaten, die sein großes, für die Zukunft sicherlich noch nicht ausgeschöpftes Potential erkennen lassen, auch sein drittes Beethoven-Album weist ihn auf einem vielversprechenden Weg aus. Sensationell gut ist das Booklet, das man schon gar nicht mehr als solches bezeichnen kann: Mit 75 mehrsprachigen Seiten ist es fast schon ein ausgewachsenes Buch, das vielfältige Informationen zum Werk und zur Aufnahme bietet.


Thomas Gehrig, 01.07.2021

Label: ACCENTUS Music
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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