Magazin: CD-Kritiken
Mozart / Jones: Violin Sonatas Fragment Completions

Details zu Mozart / Jones: Violin Sonatas Fragment Completions: Rachel Podger, Christopher Glynn

Mozart / Jones: Violin Sonatas Fragment Completions: Rachel Podger, Christopher Glynn

De-fragmentiert

Sieben Mozart-Premieren in neuen Vervollständigungen von Timothy Jones.

Seit seinem Studium befasst sich der Musikwissenschaftler Timothy Jones mit Stilcharakteristika der Musik Mozarts, und seit 2013 bemüht er sich um die Vervollständigung von Fragmenten von Mozart-Kompositionen. Da diese Versuche der Vervollständigung immer spekulativ bleiben müssen, hat er nicht selten auch mehrere Vervollständigungsversuche unternommen. Die vorliegende bietet drei Sonatensätze in jeweils zwei Varianten sowie eine Fantasie für Klavier und Violine in einer Vervollständigung. Die Betrachtung der Fragmente führt nicht selten auch zu genauerer Betrachtung der Entstehungsumstände, und bei einem derzeit zumeist auf 1784 datierten Fragment kommt Jones aufgrund der Betrachtung der Papiersorte etc. auf das Entstehungsjahr 1787.

Die stilistischen Besonderheiten der unvollendet gebliebenen Musik Mozarts für Klavier und Violine (bei denen das Klavier in der Tat zumeist prominenter gehalten ist als die Violine) werden offenbar etwa in dem Fragment der Fantasie c-Moll von 1782, von dem 27 Takte erhalten sind; da Jones nicht davon ausgeht, dass der Violinpart in den ersten Takten zu schweigen hat, ergänzt er rückwirkend diesen auch für die Eröffnungstakte, greift mithin eklatant in den überlieferten Notentext ein.

Lohnender Versuch

Ein auf 1789 datierter Sonatensatz G-Dur ist in Jones’ Arbeit von besonderer Bedeutung, entstand er doch nach Mozarts letzter vollendeter Violinsonate KV 547. Mithin muss die Komplettierung noch spekulativer sein – und gerade in diesem Fall lohnt sich der Versuch, verbindet er doch verschiedene Gattungen (durch Bezugnahme auf die Konzertarie ‚Ch‘io mi sordi di te – Non temer, amato bene‘) und bietet einen Ausblick dorthin, wohin Mozart die Violinsonate hätte führen können. Nach der unmaßgeblichen Einschätzung des Rezensenten liegt Jones mit seinen Vervollständigungen teilweise durchaus nicht in Mozart’schem Fahrwasser.

Christopher Glynn spielt mit viel Transparenz und Delikatesse auf einem leider nicht näher bezeichneten Hammerflügel aus den Beständen der Royal Academy of Music, der Jones derzeit als Prorektor angehört. Rachel Podger, die mit Gary Cooper Mozarts Sonaten auf 8 SACDs eingespielt hat, beherrscht ihren Mozart im Schlaf und steuert einen angemessenen, nie übertrieben dargebotenen Solopart bei. Die Balance zwischen den beiden Instrumenten ist im höchst natürlichen Klang perfekt und bietet beide Instrumente in perfektem Dialog miteinander in der vorteilhaften Akustik von St. John’s in Upper Norwood.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 22.04.2022

Label: Channel Classics
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