Magazin: CD-Kritiken
Beethoven: The Violin Sonatas

Details zu Beethoven: The Violin Sonatas: Frank Peter Zimmermann, Martin Helmchen

Beethoven: The Violin Sonatas: Frank Peter Zimmermann, Martin Helmchen

Die neue Art, Beethovens Violinsonaten zu spielen

Wie aus Duosonaten veritable Trios werden, zeigen Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen durch ihr kongeniales Zusammenspiel, dabei klanglich unterstützt von einem besonderen Flügel.

Wenn man das neue Album mit Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen in Händen hält, sieht man auf dem Coverfoto zunächst die beiden Künstler ziemlich klein und mit Abstand voneinander vor wuchtigen Pfeilern, die das Bild beherrschen. Das Bild entstand während der Aufnahmezeit im Februar 2020 und könnte schon die Frage aufkommen lassen nach der Bedeutung des Menschen angesichts der kraftvoller Architektur des Düsseldorfer Kunstpalasts. Die spontane Deutung sei erlaubt: Was machen die beiden Ausnahmekünstler aus der monumentalen Tradition, wie sie mit Beethovens Violinsonaten entstanden ist?

Im Schumannsaal des Kunstpalastes geben sie die Antwort darauf, diesmal mit den Sonaten Nr. 5 op. 24, der 'Frühlingssonate', und den ersten beiden Sonaten von op. 30. Beginnt man beim Anhören von vorn, so bemerkt man mit dem ersten Takt so einiges, das man bisher kaum einmal so deutlich hörte. Da ist zum einen das schnelle Tempo, das leicht und unbeschwert durchgehalten wird, ohne hastig zu werden, und sich keinerlei Freiheiten erlaubt wie in so vielen anderen Aufnahmen. Als zweites gewahrt man schnell, wie deutlich das Klavier hervortritt. Das ist wiederum zunächst gewöhnungsbedürftig, aber als informierter Hörer weiß man schließlich, dass Beethoven seine Sonaten ja für ‚Klavier und Violine‘ geschrieben hat. Es fällt also viel Aufmerksamkeit auf das Klavier, zumal Zimmermann seinen Part wie beiläufig beiträgt. Nach einigen Takten erkennt man aber, wie wichtig die Klavierstimme tatsächlich ist. Es geht hier nicht um Musik für ein Melodieinstrument mit Begleitung, sondern um ein veritables Duo, das sogar häufig zum Trio wird, indem die Unterstimme des Klaviers eigenständig mit oder gegen die Oberstimme beziehungsweise mit oder gegen die Violinstimme eingesetzt wird. Was in der 'Frühlingssonate' schon so deutlich wird, ist erst recht Programm in den Sonaten op. 30.

Kleinste Nuancen

Das ist so spannend, ja beim Hören entsteht ein regelrechter Sog in die Musik hinein, indem die Aufmerksamkeit unwiderstehlich auf das Wechselspiel der drei Stimmen gelenkt wird. Jede kleinste Nuance ist dabei deutlich zu vernehmen, was auch mit der Qualität des quasi historischen Flügels zu tun hat. Es handelt sich hier um ein Instrument, das von dem belgischen Klavierbauer und Forscher Chris Maene gebaut wurde. Die Besonderheit besteht vor allem darin, dass alle Saiten wie bei einem Hammerflügel gerade gespannt sind, und dass die Fasern des Bodens parallel zu den Saiten verlaufen. Damit wird der Klang differenzierter, die Register lassen sich leichter unterscheiden. Der erste Flügel dieser Art wurde bei Chris Maene von Daniel Barenboim in Auftrag gegeben, inzwischen spielen weitere Pianisten auf Maene-Bauten.

Die Spannung und damit das Hörvergnügen erhöhen sich weiter bei den Sonaten op. 30, bei denen die drei Stimmen noch eigenständiger sind, ja tatsächlich drei verschiedene Instrumente evozieren. Die kompositorische Struktur der Sonate, die – besonders bei der c-moll-Sonate – noch einmal mehr die Verteilung von Motiven und Weiterentwicklungen auf alle drei Stimmen verteilt und sie miteinander agieren lässt, tritt deutlich zutage, und das auf der Basis großer Spielfreude beider Musiker, die bei den flotten Tempi trotzdem nicht vergessen, penibel auf die bei Beethoven so reichlich eingestreuten dynamischen Wechsel und Sforzati zu achten.

So verwandelt sich die leichte Skepsis des Anfangs, die beim Coverfoto begann und ob des Ungewohnten zu Befremden in den ersten Takten führte, zu Enthusiasmus und Vorfreude auf die nächsten Sonaten, die hoffentlich bald von den beiden Musikern eingespielt werden.


Elisabeth Deckers, 31.05.2021

Label: BIS Records
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