Magazin: CD-Kritiken
History of the Russian Piano Trio Vol.3

Details zu History of the Russian Piano Trio Vol.3: The Brahms Trio

History of the Russian Piano Trio Vol.3: The Brahms Trio

Trios vom 'Mächtigen Häuflein'

Das Brahms Trio veröffentlicht Folge 3 seiner 'Geschichte des russischen Klaviertrios', diesmal mit Werken von Rimskij-Korsakow, Borodin und Cui.

In rascher Folge veröffentlicht das Moskauer Brahms Trio seine Platten 'History of the Russian Piano Trio'. Inzwischen liegt Folge drei vor, und zu hören sind darauf recht unbekannte Werke von drei Vertretern der Petersburger Komponistengruppe ‚Das Mächtige Häuflein‘. So gehört auch Nikolaj Rimskij-Korsakows Klaviertrio in c-Moll nicht gerade zu seinen größten Hits. Das liegt sicher daran, dass der Komponist, der seine Begabung zur Kammermusik nicht sehr hoch einschätzte, dieses Werk nicht vollendet hat, eine spielbare Fassung erstellte sein Schwiegersohn Maximilian Steinberg im Jahr 1939. Außerdem aber ist Rimskij-Korsakows individueller Stil darin kaum zu erkennen.

Der Komponist selbst hielt sein Werk denn auch für nicht besonders geglückt und gab es daher nicht zur Veröffentlichung frei. Und dennoch handelt es sich um ein mit über 40 Minuten großes und durchaus hörenswertes Trio. Die Interpreten spielen mit betont opulentem Ton und finden eine gute Mischung aus zarten Klängen und energischen Akzenten. Geiger Nikolai Sachenko zelebriert dabei in lyrischen Passagen das Portamento recht ausgiebig, also das Verbinden benachbarter Töne durch kleine Schleifer, wie es zur Zeit der Komposition des Trios im ausgehenden 19. Jahrhundert auch üblich, später aber wohl etwas verpönt war. Besonders hervorheben muss man den langsamen Satz, ein ungemein ausdrucksvolles und sangliches Adagio, das vom Brahms Trio absolut makellos dargeboten wird. Durch den ausgedehnten Finalsatz, der sich in anderen Aufnahmen mitunter etwas zieht, trägt hier mühelos die ungeahnte Energie der Interpretation.

Schwungvoll

Das Trio in D-Dur von Aleksandr Borodin ist mit nur 22 Minuten recht kompakt, denn auch dieses Werk blieb unvollendet, wie überhaupt ziemlich viele Projekte des Freizeitkomponisten Borodin, der in seinem Hauptberuf als Chemiker schwer beschäftigt war. Seinem Trio fehlt ein Finalsatz, Borodin hatte wohl keinen Schwiegersohn, der das Werk hätte vollenden können. Die drei vorhandenen Sätze haben eindeutig Profil, nur bildet der dritte Satz, ein Menuett, eigentlich keinen befriedigenden Schluss. Im Beiheft wird der Charakter des Werkes mit Mendelssohn verglichen, und das scheint für die beiden ersten Sätze durchaus berechtigt, weniger vielleicht für das Menuett. Dem Brahms Trio gelingt im ersten Satz eine sehr lebendige und schwungvolle Interpretation, während der Romanze ein letzter Rest an Süße vielleicht fehlt. Im Menuett überzeugt das Brahms Trio wieder vollauf, es kommt weder zu schnell noch zu langsam und insgesamt eher rustikal als elegant daher.

Eingeschoben zwischen den Werken Rimskij-Korsakows und Borodins steht die nur sechs Minuten lange Ersteinspielung eines Werkes von César Cui, des heute unbekanntesten Vertreters des ‚Mächtigen Häufleins‘. Das verträumte, hübsche Salonstück mit dem Titel 'Farniente' ist die Bearbeitung eines Klavierstücks und zeugt von der Entschlossenheit des Brahms Trios, in seinen klingenden Geschichtsstunde selbst abgelegene Winkel auszuleuchten.


Jan Kampmeier, 01.06.2021

Label: Naxos
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