Magazin: CD-Kritiken
Johann Krieger: Sechs Musikalische Partien

Details zu Johann Krieger: Sechs Musikalische Partien: Tatjana Vorobjova, Cembalo

Johann Krieger: Sechs Musikalische Partien: Tatjana Vorobjova, Cembalo

Der jüngere Krieger in Vollendung

Tatjana Volobjova spielt 'Sechs Musicalische Partien' und freie Stücke eines unterschätzten Komponisten in vollendeter Interpretation.

Selten hat man Rezensent das Glück, eine durch und durch begeisternde Aufnahme zu finden. Die CD mit der Kölner Cembalistin Tatjana Volobjova ist so eine. Der Komponist Johann Krieger (1652-1735) steht im Schatten seines älteren Bruders Johann Philipp Krieger (1649-1725). Nach dem Anhören dieser Aufnahme kommt man zu den Schluss, dass diese Schattenexistenz unberechtigt ist. Der jüngere Komponist beherrscht sein Handwerk ausgezeichnet. Bei den 'Partien' entfaltet er eine Fülle von Klängen und Figuren. In der 'Fantasie in d' überrascht er gar mit etlichen durchaus modern anmutenden chromatischen Läufen. Das alles macht die CD als solches so schon hörenswert.

Hinzu kommt das hervorragend klingende Instrument von Titus Crijnen mit zwei Manualen, drei Registern und Lautenzug. Es ist nach Werckmeister III gestimmt, also in einer der ersten ‚wohltemperierten‘ Stimmungen der Musikgeschichte. Dass die Cembalistin über eine große Fingerfertigkeit verfügt, sei nur am Rande erwähnt. Was sie aber aus diesen Vorgaben macht, ist staunenswert. Sie haucht den Stücken Leben ein, und das auf einem so sperrigen Instrument, das kaum dynamische Vorgänge zulässt. Das gelingt ihr, indem sie den Gestus der Musik präzise erfasst und wiedergibt.

Mit reichen Mitteln

Schon das Preludio in d enthält in dieser Interpretation eine große innere Spannung; die Cembalistin nutzt die Möglichkeiten von Rubato und Akzeleration aus und macht sie der musikalischen Aussage dienstbar. Sollte man jedoch fürchten, dass dies bei den stilisierten Tänzen verlorengehen könnte, wird man eines Besseren belehrt. Die Einschwingvorgänge bei den Anfängen und den Verzierungen sind organisch, die Binnenspannung wird hörbar; die Cembalistin hört dem jeweiligen Affekt genau nach und bringt ihn mit ihren reichen Mitteln zum Klingen. Sie atmen die Stücke geradezu. Wo es hingegen gilt, kräftig zuzulangen, tut sie auch dies mit Verve. Hinzu kommt ein kluger Umgang mit den Möglichkeiten der unterschiedlichen Registrierung.

Die Tonqualität ist, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend, das Booklet enthält alle notwendigen Angaben. So bietet die CD eine festliche Stunde erlesener Musik.


Diederich Lüken, 29.11.2021

Label: MDG
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeigen

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte)

Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)