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Anton Rubinstein: Piano Concertos 2 & 4

Details zu Anton Rubinstein: Piano Concertos 2 & 4: Schaghajegh Nosrati, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Robert Farkas

Anton Rubinstein: Piano Concertos 2 & 4: Schaghajegh Nosrati, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Robert Farkas

Musikalisch wie pianistisch gelungen

Anton Rubinsteins Klavierkonzerte Nr. 2 und 4 sind musikalisch höchst gelungene Werke, die hier in einer ebenso gelungenen Interpretation vorliegen.

Einmal vergessen, immer vergessen? Anton Rubinstein, der Schöpfer von fünf herausragenden Klavierkonzerten, war schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein in Vergessenheit geratener Komponist – und ist es bis heute. Über die Gründe hierfür kann man viel spekulieren, doch wenn man seine Konzerte mit den Dauerbrennern der Gattung (etwa von Tschaikowsky oder Grieg) vergleicht, bleibt es ein Rätsel, warum sie den Test der Zeit nicht bestanden haben. Die beiden auf dieser CD versammelten Konzerte Nr. 2 op. 35 und Nr. 4 op. 70 bieten alles, was Musiker wie Publikum erfreut: Glitzernd-virtuose Passagen mit viel pianistischem Aufwand für den Solisten, eingängige und inspirierte Themen für die Hörer und – anders als viele reine Virtuosen-Konzerte des 19. Jahrhunderts – auch dankbare Aufgaben für die Orchestermusiker. Dennoch gibt es nur sehr wenige Pianisten, die sich der Werke annehmen. Eine, die es wagt, ist Schaghajegh Nosrati, Studentin unter anderem von Ewa Kupiec und András Schiff, die für cpo beide Konzerte zusammen mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Róbert Farkas aufgenommen hat.

Alle Tugenden der Klavierkunst

Formal war Rubinstein kein großer Innovator, beide Werke folgen der bekannten Dreisätzigkeit mit einem ausgedehnten Kopfsatz, einem lyrisch-melodischen Mittelsatz und einem schnellen (Rondo-)Finalsatz. Durch seine dramatisch-effektvollen Themen wirkt das vierte Konzert, vor allem dessen Kopfsatz, etwas gelungener als das zweite; auch in der etwas kompakteren Anlage scheint die Nr. 4 der Nr. 2 punktuell überlegen zu sein. Nosrati nimmt hier wie dort die Einladung zur pianistischen Entfaltung dankbar an und brilliert mit allen Tugenden der Klavierkunst: Brillante Läufe, mühelos bewältigte Akkord- und Oktav-Gebirge und eine sehr gute Abstimmung mit dem Orchester zeichnen ihr Spiel ebenso aus wie ein Gefühl für die lyrischen Nuancen der beiden Mittelsätze, wo Rubinstein hörbar auf Chopins Spuren wandelt. Trotz aller technischen Herausforderungen wirkt Nosratis Spiel nie forciert, sondern klar und perlend, so dass klangliche Massierungen gar nicht erst entstehen können. Dies ist sicherlich auch einer wohlüberlegten Abstimmung mit dem Orchester zu danken, das von Farkas sicher und in angenehm straffen Tempi durch die Partitur geleitet wird. Dadurch fällt auch die eine oder andere Länge, die es vor allem im zweiten Konzert durchaus gibt, nicht so sehr ins Gewicht.

Gelungen ist schließlich auch die klangliche Balance zwischen Solistin und Orchester, ein heikler Punkt bei so mancher Klavierkonzert-Einspielung. Entweder rückt die Tontechnik das Klavier zu stark in den Vordergrund, so dass vom Orchester oft fast gar nichts zu hören ist. Oder der Solist wird zu wenig berücksichtigt, dann streckenweise vom Orchester zugedeckt – ein Problem vor allem in den ‚symphonischen‘ Konzerten etwa von Brahms oder Reger. Nichts davon bei dieser Einspielung: Solistin und Orchester stehen in einem sehr guten Verhältnis zueinander, eventuell ist das Klavier in einigen Abschnitten minimal hervorgehoben, doch immer so, dass die Orchestermusiker noch ausreichend zu hören sind. Rubinsteins Konzerte wirken so als geglücktes Bindeglied zwischen den reinen Virtuosenwerken, in denen das Orchester reine Begleitaufgaben verrichtet, und den folgenden (spät-) romantischen ‚Schlachtrössern‘, die fest im Repertoire verankert sind. Dass mindestens auch Rubinsteins viertes Konzert eine Chance verdient hat, in dieses Repertoire aufgenommen zu werden, zeigen Nosrati und Farkas mit dieser Aufnahme in vorbildlicher Weise. Man darf sich auf eine (hoffentlich geplante) Einspielung der Konzerte Nr. 1, 3 und 5 freuen – und vielleicht auch des Konzertstückes op. 113.


Dr. Michael Loos, 26.05.2021

Label: cpo
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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