Magazin: CD-Kritiken
Joseph Wölfl: Three Piano Concertos

Details zu Joseph Wölfl: Three Piano Concertos: Natasa Veljkovic, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Johannes Moesus

Joseph Wölfl: Three Piano Concertos: Natasa Veljkovic, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Johannes Moesus

In Mozarts Schatten

Als Komponist von Klavierkonzerten zeitgleich mit Mozart und Beethoven zu leben, war wohl das Pech von Joseph Wölfl. Hört man seine Werke unvoreingenommen, halten sie dem Vergleich durchaus stand.

Was hat Joseph Wölfl nur falsch gemacht? Der österreichische Komponist, Jahrgang 1773, verstand das musikalische Handwerk hervorragend und war darüber hinaus ein höchst inspirierter Melodiker. Seine Klavierkonzerte Nr. 2 und 3 legen von dieser Kunst ein beredtes Zeugnis ab, sie zeigen den 1812 verstorbenen Wölfl als Tondichter im Spannungsfeld zwischen Klassik und früher Romantik mit dem hörbaren Vorbild Mozart (bei dessen Vater er studierte). Ein reiner Epigone war er aber nicht, er verstand es durchaus, die Konzertgattung mit eigenen Impulsen zu bereichern. Und doch – als Komponist ist Wölfl heute fast komplett vergessen, wenn hin und wieder – immerhin – eine CD mit seinen Werken erscheint, darf diese als echte Rarität gelten.

Bereits 2008 hatte cpo eine Lanze für den Komponisten gebrochen und seine Konzerte Nr. 1, 5 und 6 herausgebracht, damals mit dem Solisten Yorck Kronenberg. Die erwähnten Konzerte Nr. 2 und 3 folgen nun mit Nataša Veljkovi?, wie schon 2008 dirigiert Johannes Moesus (diesmal allerdings nicht das Rundfunkorchester Kaiserslautern, sondern das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim). Auf der Silberscheibe befindet sich außerdem noch das deutlich kürzere Concerto da Camera für Klavier und Streichorchester mit Flöte.

Elegant und eingängig

Wenn man Wölfl überhaupt etwas vorwerfen kann, dann wohl eine gewisse Redseligkeit – hier und da sequenziert er einmal zu oft, dreht eine Schleife zu viel. Vor allem das zweite Konzert (op. 26, in E-Dur) ist nicht frei von solchen Redundanzen, doch im Übrigen kann sich der Komponist neben anderen Mozart-Zeitgenossen (etwa Johann Nepomuk Hummel) durchaus behaupten. Wölfls elegante und eingängige, aber nie triviale Themen und deren geschmackvolle Verarbeitung sind durchgehend ein Genuss für den Hörer und – bei nie auf die Spitze getriebener Virtuosität – auch dankbar für die Musiker. Veljkovi? entpuppt sich als die beinahe ideale Interpretin für diese Musik, indem sie (bei insgesamt relativ zügigen Tempi) den ihr zustehenden Gestaltungsspielraum voll ausnutzt: Sichere Gestaltung, perlende Läufe und flexible Dynamik zeichnen ihr Spiel aus, dabei kommt ihr eine aufmerksame Begleitung durch das Pforzheimer Orchester zu Gute. Die Orchestermusiker haben zwar weitgehend nur Begleitaufgaben, von einem ‚symphonischen‘ Konzerttyp kann hier keine Rede sein. Doch die Präzision des Zusammenspiels zwischen Klavier und vollem Orchester (oder, im Es-Dur-Concerto, Streichorchester mit Flöte) überzeugt in allen drei Werken, sicherlich auch ein Ergebnis eines ausgewogenen Klangbildes. Die Solistin steht akustisch ein wenig im Vordergrund, aber nicht zu sehr; genau so, wie es für ein traditionelles Solokonzert angemessen ist.

Wölfls bestes Werk auf dieser CD ist das dritte Konzert op. 32 in F-Dur, ein heiteres, aber keinen Moment lang oberflächliches Stück, das zudem durch eine angenehme Kompaktheit auffällt. Veljkovi?s geschmackvolle, souveräne Pianistik und die dezente Begleitung unter Moesus‘ sicherer Leitung tragen wesentlich dazu bei, dass der Komponist hier von seiner besten Seite präsentiert wird – als Erbe Mozarts, der die Perfektion seines Vorbildes zwar nicht komplett erreichte. Aber von welchem Tondichter kann man das schon behaupten? Wölfl hat nicht nur eine echte Chance im Konzertsaal verdient, sondern auch eine Rehabilitierung insgesamt – vermutlich war es einfach sein Pech, Zeitgenosse von Mozart und Beethoven zu sein. Falsch gemacht hat er jedenfalls nichts, seine Stücke müssen keinen Vergleich scheuen.


Dr. Michael Loos, 05.05.2021

Label: cpo
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