Magazin: CD-Kritiken
Nachthimmel

Details zu Nachthimmel: Franz Vitzthum, Katharina Brand

Nachthimmel: Franz Vitzthum, Katharina Brand

Romantische Dichtung in Musik

Der Countertenor Franz Vitzthum und die Pianistin Katharina Olivia Brandt spielen bekannte und unbekannte romantische Kunstlieder ein.

Mit Franz Schuberts 'An den Mond in einer Herbstnacht' beginnt die mit 'Nachthimmel' betitelte CD, auf der Franz Vitzthum und Katharina Olivia Brandt romantische Kunstlieder präsentieren. Neben dem bekanntesten und populärsten Kunstliedkomponisten tauchen weitere bekannte, aber auch unbekanntere Namen auf wie Charlotte Bender oder Josephine Caroline Lang. Ein großer Teil der Werke, unter anderem die der beiden Komponistinnen, sind Ersteinspielungen.

Die Kunstlieder wechseln sich mit den Variationen D576 von Franz Schubert ab, das kurze Liederblöcke voneinander abtrennt. Damit hat man als Zuhörer den Eindruck, man würde einem Konzertmitschnitt zuhören, da es sich hier somit nicht nur um eine Präsentation der Stücke, sondern um ein klar strukturiertes Programm handelt. Außerdem führen die Variationen dazu, dass der Zuhörer das vorher gehörte Lied ‚verdauen‘ kann, ehe es zum nächsten Liederblock geht. Die CD schließt, wiederum passenderweise, mit einem Lied des Komponisten Anselm Hüttenbrenner ab, von dem das Thema stammt, das Schubert in seinen Variationen verwendet hat.

Viele Stimmungswechsel

Das Hauptthema der Variation wird zweimal gespielt und erinnert stark an Schuberts 'Der Tod und das Mädchen'. Beide Themen arbeiten mit einer sich bewegenden Mittelstimme, während Unter- und vor allem Oberstimme immer einen Ton wiederholen oder nur zwischen wenigen Tönen hin- und herwechseln. Das Thema ist somit sehr einfach, trotzdem wirkt es interessant und komplex dadurch, dass so unterschiedlichste Akkordvariationen entstehen. Die Kunstlieder sind, trotz des gemeinsamen Sujets der Nacht, sehr unterschiedlich: Beispielsweise das erste Lied, das träumerisch beginnt und durch viele Stimmungswechsel geht und so in einem schönen Gegensatz zum nach dem Hauptthema der Variation stehenden zweiten Lied steht, das sich dem Thema sehr verspielt, heiter und fröhlich nähert.

Katharina Olivia Brandt spielt die Lieder auf einem Nachbau eines Hammerflügels von Conrad Graf aus dem Jahr 1826, einem der bekanntesten Wiener Klavierbauer der Zeit. Das genutzte Instrument kommt aus der Klavierwerkstatt Christoph Kern aus Staufen im Breisgau. Der Ausdruck des Klaviers bewegt sich zwischen kraftvoll und hart im Anschlag, zu einem weichen und sensiblen Klangeindruck. Gerade in den Variationen wechselt die Stimmung sehr schnell und oft, die Pianistin nutzt diese, um die volle Klangvielfalt des Instrumentes zu zeigen.

Sehr dynamisch

Countertenor Franz Vitzthum interpretiert die Lieder mit einer glänzenden Stimme, die scheinbar mühelos in die Höhe kommt und sehr flexibel, aber trotzdem kontrolliert mit Dynamik, Vibrato und Betonungen umgehen kann. Zusammen wirken die beiden Musiker sehr eingespielt und reagieren musikalisch sowohl mit- als auch gegeneinander, wenn beispielsweise der Sänger leiser wird, das Klavier aber kraftvoll bleibt. Dann entsteht ein sehr dynamischer Eindruck des Duos, in dem sich die beiden Interpreten einzeln immer eine gewisse musikalische Eigenständigkeit bewahren.

Die CD vereint Kunstlieder der populären Persönlichkeiten mit Kompositionen unbekannterer Komponisten, wodurch sie vor allem interessant für Kunstliedinteressierte wird, die auch etwas jenseits von Schubert hören wollen. Das Booklet ist ebenfalls sehr lesenswert, weil es neben ausführlichen Werkeinführungen und den Biografien der Interpreten auf Deutsch und Englisch eine kurze Einschätzung der Pianistin zum Instrument beinhält, in der sie ihre Erfahrungen mit dem Spielen des Nachbaus beschreibt.


Anneke Link, 25.05.2021

Label: Christophorus
Interpretation: 
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Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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