Magazin: CD-Kritiken
Miniatures Russes

Details zu Miniatures Russes: Swetlana Meermann-Muret, Klavier

Miniatures Russes: Swetlana Meermann-Muret, Klavier

Zwei russische Chopins

Swetlana Meermann-Muret entführt mit poetischen Klavierminiaturen in die Welt Anatolij Ljadows und Anton Arenskijs.

Lauter Préludes, Walzer und Mazurken hat die Pianistin Swetlana Meermann-Muret aufgenommen, aber kein Chopin-Album, wie man jetzt vielleicht denken könnte. 'Miniatures Russes' nennt sie ihre neue CD, und zu hören sind darauf Werke des Fin de siècle von Anton Arenskij (1861–1906) und Anatolij Ljadow (1855–1914). Letzterer wird allerdings im Beiheft als russischer Chopin bezeichnet, und dessen Einfluss ist denn auch in der Tat kaum zu überhören.

An den Beginn hat Swetlana Meermann-Muret Ljadows Barcarolle op. 44 gesetzt, die wohl nicht zufällig in derselben, nicht ganz alltäglichen Grundtonart Fis-Dur steht wie die von Chopin. Abgesehen davon handelt es sich um ein wirklich bemerkenswert schönes Stück, das zugleich das einzige der neuen Platte ist, dessen Länge vier Minuten überschreitet. Schon aus der Gesamtzahl der Tracks kann man auf die Dimensionen der einzelnen Nummern schließen: Es sind 24, bei einer Gesamt-Spieldauer von knapp einer Stunde. Das kürzeste Stück umfasst gerade einmal zwölf Takte. Doch es lohnt sich, Anatolij Ljadows Werke kennenzulernen, denn es handelt sich oft um kleine Juwelen.

Einst war zumindest seine symphonische Dichtung 'Der verzauberte See' ein wirkliches Erfolgsstück. Heute ist jedoch auch die aus den Spielplänen weitgehend verschwunden, und obwohl tatsächlich bereits eine Gesamtaufnahme seiner Klavierwerke vorliegt, beschränkt sich Ljadows Ruhm inzwischen hauptsächlich auf eine einzige seiner Klavierminiaturen, die kurioserweise auf dieser Platte fehlt: die sogenannte ‚Musikalische Tabaksdose‘. Swetlana Meermann-Muret macht dafür mit den zwei Stücken op. 9 sowie den drei Stücken op. 57 bekannt: Préludes, Walzer und Mazurken.

Sanfter Ton

Ihr Spiel wird im Beiheft beworben als ein Spiegel dreier Kulturen, der russischen, deutschen und französischen. Doch was heißt das schon? Die Pianistin ist eben in diesen drei Ländern ausgebildet worden. Kennzeichnend für ihr Spiel auf dieser Platte ist ein mitunter sehr flexibler Umgang mit dem Tempo, wobei jeder selbst beurteilen soll, ob das nun besonders innigen Ausdruck oder schon Kitschgefahr bedeutet. Ferner fällt vor allem ihr meist sehr sanfter und weicher Ton auf, der oft mit Zurückhaltung im Forte einhergeht. Zumindest in diesem Programm trifft sie damit häufig ins Schwarze.

Anton Arenskij ist im Vergleich zu Ljadow deutlich bekannter, wenn auch vor allem als Lehrer einer ganzen Generation russischer Komponisten, zu der etwa Rachmaninow, Skrjabin und Juon gehören. Von seinen eigenen Werken wird vor allem das erste Klaviertrio häufig gespielt. Seine Stücke auf dieser Platte, eine Auswahl aus den 24 'Morceaux caracteristiques' op. 36 sowie die sechs Stücke op. 53 sind in ihren Dimensionen nur wenig umfangreicher als die Ljadows und auch stilistisch durchaus ähnlich: Poetische Stimmungsbilder, durchaus nicht ohne Anspruch, eher an westlichen denn an russischen Vorbildern orientiert.


Jan Kampmeier, 27.04.2021

Label: Genuin
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Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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