Magazin: CD-Kritiken
Théodore Dubois: Piano Quartet & Quintet

Details zu Théodore Dubois: Piano Quartet & Quintet: Oliver Triendl, Nina Karmon, Stefan Schilli, Anja Kreynacke, Jakob Spahn

Théodore Dubois: Piano Quartet & Quintet: Oliver Triendl, Nina Karmon, Stefan Schilli, Anja Kreynacke, Jakob Spahn

Klavierquartett plus eins

Théodore Dubois überrascht mit unerwarteten Klangkombinationen.

Der Einsatz des Labels cpo für Théodore Dubois (1837–1924) hat einen weiteren Schatz hervorgebracht. Oliver Triendl ist der Primus inter pares bei zwei Werken, die die Qualitäten von Dubois‘ Kompositionstechnik vorzüglich zur Geltung bringen.

Das Quintett F-Dur erschien 1905, und die Kurzbeschreibung auf dem CD-Cover ist bewusst irreführend. Haben wir hier doch eine Komposition, wie wir sie sonst höchst selten finden – ein Werk für die aparte Besetzung Klavierquartett plus Oboe. Eine ungewöhnliche Komposition, die aber überraschend gut ‚funktioniert‘, und weit mehr als das: eine Komposition von ganz besonderem Reiz – gerade weil die Oboe der etablierten Klavierkammermusik mit Streichern eine zusätzliche Klangfarbe hinzufügt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder überdeckt zu werden. Es ist als besondere Qualität zu bezeichnen, dass die Texturen des Werkes rundum harmonisch aufeinander abgestimmt sind, und es würde negativ auffallen, würde die Oboe etwa durch ein weiteres Streichinstrument ersetzt. Die Tradition dieser Komposition ist vielleicht zum Teil auch in jenen Kammermusikwerken der damaligen Zeit begründet, in denen neben dem Klavier eine andere Klangfarbe zentral mitgestaltend am Werke ist – etwa den Kompositionen für Instrumente, Klavier und Harmonium (leider sind gerade diese Werke in den vergangenen hundert Jahren gänzlich ins Hintertreffen geraten).

Bei aller Entspanntheit von Dubois‘ Texturen und harmonischem Satz sollte man das Quintett doch nicht der Salonmusik im negativen Sinn zuordnen – dafür ist die Musik zu substanziell. Gerade in der Canzonetta, die an Stelle eines Scherzos mit zu den Kernsätzen der Komposition zu zählen ist, hören wir weit mehr als nur einen Schatten Fauré, hören wir Dubois in der Kammermusik seiner Zeit (auch Chausson, Ravel, aus der Ferne sogar Richard Strauss) verortet.

Eigenartig opak

Das Klaviertrio a-Moll von 1907 ist bezüglich der Texturen konventioneller, wenn auch keineswegs musikalischer ‚Mainstream‘. Schon das ‚Konzertieren‘ der Streicher mit dem Klavier im Kopfsatz zeigt, dass wir nicht nur einen Meister der Komposition, sondern auch einen einfallsreichen Musiker am Werke haben, der es gleichwohl seinen Interpreten nicht leicht macht. Manche Klanggeste ist von ganz eigenem Charakter, von eigenartiger opaker Farbe, die Texturen sind im Vergleich zum Quintett deutlich lichter, dadurch auch schwerer harmonisch zu verbinden.

Interpretatorisch und aufnahmetechnisch ist das Quintett besser gelungen als das Quartett – die ungewöhnliche Kombination hat die mitwirkenden Musiker Oliver Triendl (Klaiver), Nina Karmon (Violine), Anja Kreynacke (Viola), Jakob Spahn (Violoncello) und Stefan Schilli (Oboe) zu Höchstleistungen inspiriert. Im Quartett ist die klangliche Gewichtung der Instrumente untereinander gelegentlich nicht ganz optimal, und gerade weil die Aufnahmetechnik sie in so großer Klarheit abbildet, fällt selbst das kleinste vielleicht etwas zu starke Vibrato, der geringste nicht ganz optimal gelungene Anschluss auf. Doch diese Einschränkungen wirken gering mit Blick auf die Bedeutung der Musik und die insgesamt sehr hohe Qualität der Interpretation.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 15.02.2021

Label: cpo
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Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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