Magazin: CD-Kritiken
Franz Berwald: Septet, Serenade Piano Quartet

Details zu Franz Berwald: Septet, Serenade Piano Quartet: Franz Ensemble

Franz Berwald: Septet, Serenade Piano Quartet: Franz Ensemble

Musikalischer Querkopf

Das Franz Ensemble spielt auf seiner neuen Platte groß besetzte und sehr eigenwillige Kammermusik von Franz Berwald.

Der Anspruch ist nicht gerade bescheiden: Das Franz Ensemble reklamiert für sich im Beiheft nicht weniger als eine ‚neue Art des Musizierens‘. Wollte man das wörtlich nehmen, so könnte das Urteil nur lauten, das Ensemble sei an seinem eigenen Anspruch gescheitert, denn was an ihrer Art zu musizieren nun grundsätzlich neu sein könnte, bleibt letztlich unklar. Fest steht indes, dass das junge Ensemble auf seiner zweiten Platte mit Musik von Franz Berwald ungewöhnliche Werke sehr überzeugend präsentiert.

Runder Klang

Im Septett, besetzt mit Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Cello und Kontrabass, somit in der Nachfolge Beethovens, haben sich die Musiker für einen außerordentlich weichen Klang entschieden. Ein 'Allegro molto', wie der erste Satz überschrieben ist, könnte man sich allerdings wohl lebhafter vorstellen, dazu trägt auch der Eindruck bei, dass dynamisch eher mit halber Kraft gefahren wird. Doch Balance und Intonation sind tadellos, und vor allem wirkt der Klang wunderbar rund. Der Satz, der in einigen Abschnitten an Schubert erinnern könnte, erhält dadurch eine sehr idyllische Prägung. Das Gegenteil ist im Finale der Fall, einem 'Allegro con spirito', das schwungvoller kaum denkbar wäre. Einige Akzente im Horn scheinen grotesk überbetont und man hätte das sicher dezenter lösen können. Doch bereiten diese eigenartigen Akzente eine Episode vor, die von den Interpreten überhaupt unerwartet dramatisch gestaltet wird, innerhalb des sonst so harmlos wirkenden Satzes also eine Überraschung. Und der aus Stockholm stammende Berwald war vielleicht auch einfach ein Querkopf, man beachte nur den eigenartigen Schluss des Werkes.

Noch deutlicher tritt dieser Aspekt im Quartett op. 1 für Klavier, Klarinette, Horn und Fagott zu Tage. Es handelt sich um ein ziemlich verrücktes Werk voller höchst überraschender Wendungen, das daher, wie der Komponist selbst erwartet hatte, bei den Zeitgenossen auch prompt durchfiel. Die Interpreten betonen diese Verrücktheiten auch hier, indem sie Berwald beim Wort nehmen und zum Beispiel die Dynamik, jedenfalls meistens, so gestalten, wie der Komponist es in den Noten angegeben hat, mit ziemlich harten Kanten nämlich.

Querkopf Berwald

Berwald als Querkopf, der mit seinen in der Form allzu wilden Werken die Zeitgenossen nicht wirklich überzeugen konnte, dürfte wohl der einzige Komponist der Musikgeschichte sein, der in seinem wechselvollen Leben zeitweilig als Entwickler von orthopädischen Geräten sowie als Leiter einer Glashütte und einer Sägemühle arbeitete, bevor er schließlich auf eine Professur für Komposition berufen wurde – als alter Schwede mit 71 Jahren.

Man kann bei Berwald selbst im friedlichsten und sonnigsten Umfeld nie sicher sein, ob nicht bereits der nächste Takt in eine aufgewühlte, turbulente Stimmung umschlägt. Im Quartett ist das gut zu beobachten, und genau das geschieht auch im letzten Werk der Platte, der Serenade für Klarinette, Horn, Viola, Cello, Kontrabass und Tenor. Das ungewöhnliche, 14 Minuten dauernde Werk wird hauptsächlich von den Instrumenten bestritten, die fast alle mit solistischen Aufgaben hervortreten. Der Sänger, hier Patrick Vogel mit schlankem Tenor, steuert lediglich drei eher kurze Strophen bei – und die sind deutlich opernhaft, zugleich aber musikalisch überraschend schlicht gehalten. Erwähnt werden sollen noch der wie bei Dabringhaus und Grimm fast immer sehr gute Klang der Platte sowie ein ebenso gelungener Einführungstext im Beiheft.


Jan Kampmeier, 08.02.2021

Label: MDG
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