Magazin: CD-Kritiken
History of the Russian Piano Trio Vol.1

Details zu History of the Russian Piano Trio Vol.1: The Brahms Trio

History of the Russian Piano Trio Vol.1: The Brahms Trio

Klingende Geschichtsstunde

Das russische Brahms Trio präsentiert auf seiner neuen Platte mit Werken von Aljabjew, Glinka und Rubinstein die Anfänge des Klaviertrios in Russland.

Wenn Michail Glinka der Vater der russischen Musik ist, was ist dann Aleksandr Aljabjew? Er ist, 1787 geboren, knapp eine Generation älter als Glinka und komponierte ebenfalls in vielen Genres. Es fehlt seinen Werken die typisch russische Färbung, doch das gilt, Hand aufs Herz, für viele Werke Glinkas eigentlich auch. Auf der neuen Platte 'History of the Russian Piano Trio' des Brahms Trios sind zwei Werke von ihm zu hören, und dazu das 'Trio pathétique' von Glinka. Es finden sich in Aljabjews Trio a-moll durchaus reizvolle und aparte Stellen, ja sogar einige ganz zauberhafte Einfälle, insgesamt aber hat es einfach deutlich weniger Substanz als Glinkas Geniestreich. Der zweite Satz, ein ebenso schönes wie kurzes Adagio, gönnt den Streichern zwar eine kantable, lyrische Rolle, doch ansonsten führt das Klavier ziemlich unangefochten, besonders im ersten Satz, während die Streicher in einer absolut untergeordneten Position verharren, und die ganz große Originalität findet man hier nicht. Das hübsche Es-Dur-Trio ist hier deutlich weiter, allerdings leider ein Fragment, es besteht nur aus einem Satz.

Glinka als Vater der russischen Musik, das kann also offenbar nicht bedeuten, er sei der erste gewesen, aber eben doch der erste von Rang. Den erkennt man ja auch in seinem recht bekannten 'Trio pathétique' durchaus. Dass das Werk auf dieser Platte eingespielt werden konnte, ist Jan H?ímalý zu verdanken, einem tschechischen Violinvirtuosen und Moskauer Professor des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, denn der machte aus Glinkas eigentlich mit Klarinette und Fagott besetztem Werk ein Klaviertrio der konventionellen Besetzung mit Violine und Cello. Nun könnte man meinen, davon gebe es doch ohnehin genug, und da wäre es doch wohl besser, die Besonderheit der ungewöhnlichen Besetzung zu erhalten. Wie dem auch sei, schon die deklamatorischen ersten Takte klingen in der Interpretation des Brahms Trios jedenfalls ziemlich eindrucksvoll, und besonders der langsame Satz überzeugt auch mit Streichern voll und ganz, zumal wenn die ihren Part so expressiv ausspielen wie hier.

Kraftvolles Werk

Mit mehr als einer halben Stunde stellt Anton Rubinstein als dritter im Bunde das weitaus längste Werk auf der neuen Platte. Von den immerhin fünf Klaviertrios Rubinsteins, der wiederum eine Generation jünger ist als Glinka, handelt es sich um das zweite in g-moll. Es wird nur selten gespielt, dabei lohnt sich die Bekanntschaft unbedingt, ist es doch ein eindrucksvolles, kraftvolles Werk, das bereits aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammt. Besonders der Geiger Nikolai Sachenko versieht seinen Part mit einigen kleinen ‚Schluchzern‘, wie es im 19. Jahrhundert üblich war, aber sehr dezent. Etwas klarer in der Taktbetonung und etwas feuriger könnte der erste Satz allerdings noch klingen, denn als 'Allegro con fuoco' ist er bezeichnet – zumindest im Erstdruck, eine spätere Ausgabe gibt ihm, wie auch auf der CD, die Bezeichnung 'Moderato', allerdings steht das ‚con fuoco‘ dennoch in den Noten. (Die Satzangaben des dritten und vierten Satzes unterscheiden sich ebenfalls.)

Auch einige andere Stellen könnten sicher noch energischer und rhythmisch knackiger sein. Dennoch macht die Interpretation insgesamt einen guten, stimmigen Eindruck. Mit dem Notentext gehen die Musiker dabei mitunter eher frei um: Bald wird eine eigentlich vom Klavier gedoppelte Stelle zum Solo von Violine oder Cello, bald gibt es einen recht deutlichen, aber nicht vorgesehenen Tempowechsel, einige Akkorde werden gezupft statt gestrichen.


Jan Kampmeier, 20.01.2021

Label: Naxos
Interpretation: 
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Booklet: 




Video der Woche:

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