Magazin: CD-Kritiken
Johannes Brahms: Kammermusik

Details zu Johannes Brahms: Kammermusik: Frank Gemmill, Daniel Grimwood, Banjamin Marquise Gilmore

Johannes Brahms: Kammermusik: Frank Gemmill, Daniel Grimwood, Banjamin Marquise Gilmore

Vertraute Klänge in neuem Gewand

Mit einem Ausschnitt aus Brahms' Kammermusik stellen die Musiker auf beeindruckende Weise unter Beweis, dass manche Transkriptionen mühelos mit dem Original mithalten können, wobei gleichzeitig die Wandelbarkeit und Vielfalt des Horns zur Geltung kommt.

Wenn Stücke bearbeitet werden, sei es für andere Instrumente oder für andere Stilistiken, ist das Resultat meist interessant, aber auch oft umstritten. Kritische Stimmen behaupten dann, mit dem Original hätte diese Präsentation nichts mehr zu tun, wohlwollende Meinungen lenken ein, dass es für eine Bearbeitung ein durchaus gelungenes Ergebnis sei. Ganz selten tritt aber auch der Fall ein, dass sich dieser ständige Disput zwischen Original und Bearbeitung dem Hörer gar nicht aufdrängt, weil es gar keine Rolle spielt, ob es sich hierbei um das eine oder das andere handelt, und nur noch die Qualität der Musik im Vordergrund steht. Um einen solchen Fall handelt es sich bei der Einspielung von Brahms‘ Kammermusik, die 2020 als SACD im Label BIS Records erschienen ist. Alec Frank-Gemmill (Horn), Daniel Grimwood (Klavier) und Benjamin Marquise Gilmore (Violine) präsentieren drei Werke von Brahms, von denen zwei für Horn bearbeitet wurden und eines – das Trio für Horn, Violine und Klavier op. 40 – eine Originalkomposition ist.

Wunderbare Wandlungsfähigkeit

In der 'F-A-E'-Sonate, an der neben Brahms auch Robert Schumann und Albert Dietrich mitgewirkt haben, nimmt das Scherzo von Brahms an Beliebtheit eine Sonderstellung ein. Die beharrlichen Tonrepetitionen am Anfang hier nicht, wie gewohnt, von der Violine, sondern vom Horn zu hören, mag zunächst etwas befremdlich wirken. Die Besetzung ist jedoch insofern konsequent, als dieses kurze Motiv nichts anderes als einen Hornruf darstellt, der sich als charakteristisches Merkmal durch den ganzen Satz zieht und dem Horn darum automatisch mehr Glaubwürdigkeit verleiht. Sowohl Alec Frank-Gemmill als auch Daniel Grimwood stellen in diesem Stück technische Brillanz und hohe Virtuosität unter Beweis, die den Hörer von Anfang an mitreißen und an der Leidenschaft der Musik teilhaben lassen.

Wer bei diesem Scherzo noch das Original im Ohr hatte, kann sich mit der Cellosonate e-Moll op. 38, die von Daniel Grimwood selbst für Horn arrangiert wurde, nun in eine Klangwelt begeben, in der die Erstfassung mehr und mehr verschwindet. Schon nach wenigen Takten weiß man als Hörer nicht mehr, ob es eigentlich das Horn oder das Cello war, für das die Sonate ursprünglich gedacht war. Das mag einerseits an den erstaunlichen Parallelen liegen, die sich zwischen den beiden Instrumenten ergeben, andererseits aber auch am ausgefeilten und gefühlvollen Spiel des Hornisten, der mit seinem Instrument nicht nur einen immensen Tonumfang abdeckt, sondern auch die Palette der Klangfarben bis ins kleinste Detail auslotet. So eröffnet das Horn den ersten Satz mit einem Thema, das von Melancholie und Nachdenklichkeit geprägt ist, gleichzeitig aber auch im zweiten Teil versöhnliche, warme Klänge anschlägt und auf diese Weise die Assoziation mit Gesang hervorruft. Im Seitenthema dagegen bricht die gesamte Energie in Form von Wut und innerem Aufbegehren hervor, die sich im Horn ebenso zeigen wie im Klavier, wodurch beide Instrumente stets wunderbar miteinander harmonieren, als würden sie miteinander im Dialog stehen.

Kammermusikalisches Kleinod

Wer Bearbeitungen – auch solchen mit höchster Qualität – wenig abgewinnen kann, wird am Schluss der Aufnahme noch mit einer Originalkomposition erster Güte belohnt. Das Trio in Es-Dur erstrahlt hier in neuem Glanz und mit dem gleichen klangfarblichen Reichtum, wie ihn die beiden Bearbeitungen schon gezeigt hatten. Benjamin Marquise Gilmore (Violine) fügt sich mühelos in das kammermusikalische Geschehen ein und verleiht der Komposition neben orchestraler Fülle und Präzision eine Strahlkraft, die ein wunderbares Gegengewicht zum warmen, dunkleren Klang des Horns darstellt. Bei stets lupenreiner Intonation und Leichtigkeit in den schnellen Sätzen ergänzen sich die Kammermusikpartner optimal und präsentieren dem Hörer so ein stimmiges und absolut hörenswertes Gesamtergebnis.


Dr. Uta Swora, 10.02.2021

Label: BIS Records
Interpretation: 
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Repertoirewert: 
Booklet: 




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