Magazin: CD-Kritiken
Georg Schumann: Piano Works

Details zu Georg Schumann: Piano Works: Michael van Krücker, Klavier

Georg Schumann: Piano Works: Michael van Krücker, Klavier

Harmonische Einheit

Ein nachhaltiges Plädoyer für den anderen Schumann.

An vorderster Front der Georg-Schumann-Renaissance auf dem Tonträgermarkt hat sich in den vergangenen Jahren nachhaltig das Label cpo etabliert (in Zusammenarbeit mit der Georg Schumann Gesellschaft), jeweils auf hohem und höchstem Niveau. Vier Klavieropera der Jahre 1886 und 1901–1904 ergänzen nun unser Bild des Zeitgenossen von Frederick Delius und Richard Strauss, mit durchaus eigenen Facetten.

Die 'Sechs Fantasien' op. 36 von 1904 arbeiten einerseits die Bezüge zu Robert Schumann und der musikalischen Vergangenheit heraus, arbeiten aber auch mit ganz zeitgenössischen harmonischen und Formkonzepten, wie wir sie etwa bei York Bowen oder Reynaldo Hahn entdecken können – mit dem einen oder anderen ‚Seitenhieb‘ auch gen d’Albert, Reger und Konsorten. Die kompositorische Dichte auf kleinem Raum ist beeindruckend, die Kompositionen sind nicht überladen, aber doch anspruchsvoll und musikalisch sehr zugänglich und ansprechend; das ist mehr als Musik für den Salon, aber doch auch dort aufführbar. Die 'Drei Stücke' op. 23 von 1901, gleichfalls mit programmatischen Titeln, sind introvertierter, mit einer substanziellen Barcarolle mit Bezugnahme auf Grieg als Schlussstück.

Starke Emotionalität

Die 'Drei Stücke' op. 1 und die sieben 'Stimmungsbilder' op. 2, beide zwei Jahre vor Studienende in Leipzig entstanden, erkunden die Klangwelt der damaligen Zeit, Traditionen und neue Entwicklungen. Schumanns große kompositionstechnische Fertigkeit, sein Gespür für Farben und Formen sind auch hier schon klar ausgeprägt, zeigen mehr als nur einen soliden Handwerker, sondern auch einen imaginativen Stimmungsmaler. Auch hier gibt es Stücke, die hervorstechen, etwa das von starker Emotionalität geprägt vierte Stimmungsbild oder das chromatisch wuchernde sechste. Im Gesamtkonzept am anspruchsvollsten von den vier Kompositionen sind die 'Drei Stücke' op. 1, jedes einzelne von substanziellem Umfang und in der Texturenerkundung durchaus eigenständig. Der expressive Reichtum dieser drei Stücke war Ausrufungszeichen genug, um Georg Schumann auf der musikalischen Landkarte zu etablieren.

Michael van Krücker ist der Musik ein nachhaltig überzeugender Sachwalter – sein Spiel arbeitet die Qualitäten der Werke in großer Tiefe heraus. Interpret, Instrument und Kompositionen gehen eine harmonische Einheit ein und bringen die unterschiedlichen Aspekte der Musik vorzüglich zur Geltung. Die Aufnahmetechnik des Deutschlandfunks ist von großer Natürlichkeit und dient im bestmöglichen Sinne der Musik.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 12.01.2021

Label: cpo
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeigen

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2021) herunterladen (2500 KByte)