Magazin: CD-Kritiken
Werke von Elgar und Vaughan Williams

Details zu Werke von Elgar und Vaughan Williams: Jennifer Pike, Martin Roscoe

Werke von Elgar und Vaughan Williams: Jennifer Pike, Martin Roscoe

Neue erste Geige

Kaum ist Tasmin Little in den Ruhestand getreten, übernimmt Jennifer Pike für Chandos.

Jennifer Pike ist keine Person, die sich unnötig in den Vordergrund stellt. Die Geigerin, die sich auch außerhalb Großbritanniens längst einen Namen gemacht hat, tritt für Chandos in die Fußstapfen Tasmin Littles, die mit der dortigen CD-Reihe britischer Violinsonaten neue Maßstäbe gesetzt hat. Mit Elgar und Vaughan Williams setzt sich Pike, zusammen mit ihrem Pianisten Martin Roscoe, der schon seit mehreren Jahrzehnten ein Garant für differenzierte und unprätentiöse Ausarbeitung des Klavierparts ist, starker und stärkster Konkurrenz aus. Und kann einen Punktsieg einfahren. Die große e-Moll-Elgar-Sonate op. 82 von 1918, kein einfaches Werk, bietet sie mit feinem, nicht mit starkem Vibrato überladenen Ton und einer Vielfalt an Nuancierungen, die sich nicht minder differenziert im Klavierpart spiegeln. Hier bemüht sich niemand, jemandem etwas zu beweisen – hier wird herzhaft und von Herzen Musik gemacht. Das mag vom Tempo her etwas zurückhaltend sein (gerade im Kopfsatz), unbeteiligt ist die Darbietung deshalb noch längst nicht.

Auch die Violinsonate a-Moll von Ralph Vaughan Williams (1954) ist ein Spätwerk, das hier in kraftvoller Breite dargeboten wird, mit etwas stärkerem Nachhall als manch andere Interpretation, die zumal in den ersten beiden Sätzen zumeist etwas flotter daherkommen als hier. Dafür konzentrieren Pike und Roscoe im abschließenden Variationensatz die Kräfte in meisterhafter Weise. Nicht erst hier wird klar, dass die Williams-Sonate auch für nicht britische Interpreten eine Erkundung und Darbietung im Konzertsaal wert ist.

Unendliche Bögen

Die echte eigentliche Entdeckung auch für den britischen Tonträgermarkt auf dieser CD ist dennoch anderswo zu finden – in der berühmten Komposition 'The Lark Ascending' von Vaughan Williams, hier aber in der originalen Klavierfassung von 1914, die es bislang nur sehr selten auf Tonträger geschafft hat, weil ihr Orchestergewand einfach zu einladend ist. Hier nun zeigt Pike (Roscoe ist hier fast nur noch Stichwortgeber) die ganze Bandbreite ihrer Klangmöglichkeiten, ihre Fähigkeit, nicht nur unendliche Bögen zu weben, sondern sie auch architektonisch klug zu gestalten, so dass (was gelegentlich sonst feststellbar ist) die Komposition nicht ins Beliebige auseinanderfällt. Etwas prosaisch mag der Klavierpart im Vergleich zu der Orchesterfassung gelegentlich wirken – ganz natürlich mit Blick auf die orchestrale Raffinesse, die Vaughan Williams dort aufgeboten hat. Und auch im Vergleich zu Matthew Trusler und Iain Burnside (Albion Records) haftet der Interpretation etwas eher Erdverbundenes an – in sich durchaus nicht a priori negativ zu sehen.

In ihrem durchaus eigenen Stil ist Jennifer Pike eine würdige Nachfolgerin Tasmin Littles, die Produktion auch sonst ein würdiger weiterer Beitrag zu der Diskografie britischer Musik für Violine und Klavier.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 09.04.2021

Label: Chandos
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