Magazin: CD-Kritiken
Mozart, Hummel, Beethoven: Concerto, Sonate, Symphony

Details zu Mozart, Hummel, Beethoven: Concerto, Sonate, Symphony: Aurelia Visovan, Klavier

Mozart, Hummel, Beethoven: Concerto, Sonate, Symphony: Aurelia Visovan, Klavier

Für den häuslichen Gebrauch

Beethoven und Mozart im Taschenformat, aus den Händen Hummels.

Kammermusikbearbeitungen von Orchestermusik sind gänzlich aus der Mode gekommen. Während vierhändige Klavierauszüge dank engagierter Klavierduos im Konzertleben immerhin noch gelegentlich zur Aufführung gelangen, sind etwa Johann Nepomuk Hummels oder Carl Reineckes Reduktionen von Konzertwerken und Sinfonien des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts nahezu komplett aus der Mode gekommen. Aurelia Visovan (Hammerflügel von Conrad Graf 1835) bietet hier mit Anna Besson (Flöte), Cecilia Bernardini (Violine) und Marcus van den Munckhof (Violoncello) Mozarts c-Moll-Klavierkonzert KV 491 und Beethovens Erste Sinfonie C-Dur op. 21 in Hummels Bearbeitungen. Die Einrichtungen für ein Holzblasinstrument, zwei Streicher und Klavier übertragen aber keineswegs schematisch die Originalbesetzung ins Kleine – ohnehin war Hummel ein viel zu guter Musiker, als dass er nicht sehr differenziert die neuen Klangstrukturen aufeinander abstimmen würde. Eine großer Portion solcher Bearbeitungen mit nicht weniger als sieben Mozart-Klavierkonzerten wurde vor vielen Jahren auf BIS vorgelegt, sechs Mozart-Sinfonien sind auf Naxos erschienen. Von Beethoven bearbeitete Hummel u. a. die ersten sieben Sinfonien.

Eigener Freiraum

Gerade die neuen Klangstrukturen, die Hummel in den originalen Texturen generiert (in den ‚Klavierkonzertreduktionen‘ naturgemäß unter Einbeziehung des Soloparts), und die Umwandlung in ein neues genuines Kammermusikwerk erfordert in der Ausführung besonderes Feingefühl, nicht zuletzt auch eine Abstrahierung von der originalen Klanggestalt, ohne diese ganz aber ganz zu negieren. Die Neueinspielung, entstanden im Provinzmuseum Beginenhof Sint-Truiden (Belgien) im Februar 2020, zeigt nicht nur die Pianistin, Preisträgerin des MA-Wettbewerbs Brügge 2019, in bestem Licht, sondern erweist sich im schönsten Sinne als Ensemblearbeit gleichberechtigter Künstler, in denen doch jeder genügend eigenen Freiraum behält. Feines Klangverständnis und Balancegefühl zusammen mit dem historischen Instrumentarium liefern wichtige ergänzende Beiträge zu auch in sich bereits durch Wärme und Lebendigkeit überzeugende Interpretationen. Vor allem die Beethoven-Sinfonie überzeugt und überrascht durch die Frische der Darbietung und die veränderten Schwerpunkte in Hummels Übertragung – nicht selten sogar bis in die Schicht der Phrasierung. In womöglich noch größerer Klarheit als in der Orchesterfassung kommen in Hummels Version die thematisch-motivischen Prozesse zum Vorschein.

Zwischen diesen beiden Bearbeitungen hat Aurelia Visovan Hummels berühmte Klaviersonate f-Moll op. 20 platziert. Der Graf-Hammerflügel erweist sich hier als äußerst expressives Ausdrucksinstrument, mit einer Vielzahl an Klangfarben und von guter Innenbalance. Vielleicht hätte man sich (man kennt dies von Vergleichsinterpretationen) wünschen können, dass die Pianistin noch etwas mehr aus sich hätte herausgehen können – sie spielt (dem Instrument gemäß) mit großer Sensibilität und arbeitet weniger mit den dramatischen Kontrasten, die in dem Werk auch vorhanden sind. Dies ist aber kaum ein Manko, vielmehr ein in diesem Kontext völlig legitimer Werkzugang. Ein sehr informativer Booklettext, in dem man sich nur etwas mehr Informationen über die statistische Menge der Hummel’schen Bearbeitungen gewünscht hätte, rundet die auch klanglich vorzügliche Produktion ab.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 06.09.2021

Label: Ricercar
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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