Magazin: CD-Kritiken
Nikolai Medtner: Complete Songs

Details zu Nikolai Medtner: Complete Songs: Ekaterina Levental, Frank Peters

Nikolai Medtner: Complete Songs: Ekaterina Levental, Frank Peters

Düstere Beschwörungen

Pianist Frank Peters und Mezzosopranistin Ekaterina Levental beginnen eine Gesamteinspielung der ziemlich individuellen Lieder des Russen Nikolaj Medtner.

Wie sein Freund und (etwas älterer) Zeitgenosse Rachmaninow war der Russe Nikolaj Medtner (1880–1951) ein ausgesprochener Klavierkomponist. Auch der Klavierpart seiner Lieder ist anspruchsvoll und alles andere als simple Begleitung, und so verwundert es nicht, dass die Initiative für die Gesamteinspielung dieser Lieder (es ist womöglich die erste) offenbar von einem Pianisten ausging. Der Niederländer Frank Peters hat sich dafür mit der Mezzosopranistin Ekaterina Levental zusammengetan. Beide führen die Lieder auch im Konzert gemeinsam auf, und eine erste Platte ist nun bei Brilliant Classics erschienen. Insgesamt werden Medtners Lieder vermutlich vier CDs füllen.

Auffällig ist zunächst, dass die Sängerin in dieser Aufnahme weniger deutlich im Vordergrund steht als üblich. Gut möglich, dass der Klang absichtlich so ausbalanciert wurde, um keinen Zweifel an der Bedeutung des Klavierparts dieser Lieder aufkommen zu lassen. Interpretatorisch sind beide Musiker eher zurückhaltend: Virtuose, expressive und klanglich imposante Aspekte, die durchaus in einigen Liedern zu finden sind, könnten weitaus stärker betont werden. Als Beispiel kann das letzte Lied der Platte dienen, dem sie auch ihren Titel verdankt und der auf Deutsch ‚Beschwörung‘ oder ‚Anrufung‘ lautet. Es weist die charakteristisch-düstere Stimung auf, die man in vielen dieser Lieder findet und wird etwa in einer Aufnahme mit Vassili Savenko und Boris Berezovsky völlig anders und sehr viel wuchtiger und zugleich mit betont brillianter Virtuosität interpretiert, und in einigen weiteren Liedern liegt der Fall ähnlich. Doch ebenso hat Medtner seine poetischen Vorlagen häufig in sehr transparente Klänge umgesetzt, und dort, wo es leise und schlicht sein soll, sind die beiden Musiker am überzeugendsten. Tatsächlich scheint der feine und kultivierte Ansatz Ekaterina Leventals Stimme auch besonders angemessen, was bei Opernsängern ja durchaus nicht immer der Fall ist. In der Aufnahme kommen damit nicht nur die lyrischen und zarten Seiten gut zur Geltung, sondern auch die immer wieder vorkommenden düsteren, fahlen Klänge.

Individuell

Medtner, der deutsche Vorfahren hatte und auch Deutsch sprechen konnte, vertonte mehr als 40 Gedichte auf Deutsch, diese erste Folge der Gesamteinspielung enthält jedoch insgesamt 27 Lieder ausschließlich auf russische Texte, hauptsächlich von Afanasij Fet, Fjodor Tjutschew und Aleksandr Puschkin. Es handelt sich um frühe, noch vor dem ersten Weltkrieg entstandene Lieder. Wirken Medtners spätere Werke mitunter eher konservativ, so wird man ihm das in dieser Zeit noch nicht nachsagen können, vielmehr entwickelte Medtner eine ziemlich individuelle Klangsprache.

Beim Beiheft hat das Label Brilliant etwas gespart. Zwar ist gegen einen teils sehr subjektiv geschriebenen Einführungstext der beiden Interpreten grundsätzlich nichts einzuwenden, er ist allerdings ausschließlich auf Englisch enthalten, und auch die vertonten Gedichte erscheinen nur in englischer Übersetzung, selbst für die russischen Original verweist Brilliant auf seine Homepage.


Jan Kampmeier, 30.09.2020

Label: Brilliant classics
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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