Magazin: CD-Kritiken
Oscar Straus: Piano concerto, Reigen-Walzer, Serenade, Tragant-Walzer

Details zu Oscar Straus: Piano concerto, Reigen-Walzer, Serenade, Tragant-Walzer: Oliver Triendl, Deutsche Radiophilharmonie, Ernst Theis

Oscar Straus: Piano concerto, Reigen-Walzer, Serenade, Tragant-Walzer: Oliver Triendl, Deutsche Radiophilharmonie, Ernst Theis

Zwischen klassischem Klavierkonzert und Filmwalzer

Der Pianist Oliver Triendl und der Dirigent Ernst Theis werben auf einer schönen CD für die klassische Seite des Operettenkomponisten Oscar Straus.

Oscar Straus, 1870 in Wien geboren, gilt als einer der wichtigsten Komponisten der Silbernen Operette. Seine musikalische Ausbildung aber hatte er ganz klassisch begonnen, bei dem gestrengen Lehrer Max Bruch in Berlin. Der sah in seinem talentierten Schüler einen Nachfolger in der von ihm bevorzugten konservativen sinfonischen Tradition. Doch Straus‘ Herz schlug für die leichte Muse. Er brach die Ausbildung ab, wurde Kapellmeister und Hauskomponist im Kabarett 'Überbrettl' und schrieb parodistische Operetten, wie 1904 'Die lustigen Nibelungen'. Der internationale Durchbruch stellte sich 1907 mit 'Ein Walzertraum' ein, der gemeinsam mit Lehars 'Lustiger Witwe' eine weltweite Wien-Mode einleitete. Große Popularität erlangten auch die maßgeschneiderten frivol-kapriziösen Chansons für Fritzi Massary. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, musste der jüdischstämmige Straus nach Amerika emigrieren. An seine früheren Erfolge konnte er nach seiner Rückkehr 1948 nicht mehr anknüpfen. Ein letzter Wurf war ihm wenigstens noch vergönnt: 1950 komponierte er den Titelwalzer 'La ronde' für den Film 'Der Reigen', der zum Evergreen wurde.

Beherzter Zugriff

Dieser Hit – in der Bearbeitung von Franz Marszalek – ist das einzige bekannte Stück auf dem bei cpo veröffentlichten Album mit Orchestralem von Oscar Straus. Denn vorrangig geht es um Werke aus der frühen Phase des Komponisten, die durch Max Bruch beeinflusst sind. Die Serenade für Streichorchester g-Moll ist eine elegant fließende Suite in fünf Sätzen ganz im Sinne des Lehrers. Auch mit dem Klavierkonzert h-Moll dürfte dieser zufrieden gewesen sein: ein hochromantisches Stück, das mit einer Fülle von eingängigen Themen und reißerischen Steigerungen Eindruck macht. Der Pianist Oliver Triendl, der sich ein beeindruckend großes Repertoire mit vielen Raritäten angeeignet hat, ist auch für das Straus-Konzert der rechte Mann, holt er doch mit beherztem Zugriff und perlender Fingerfertigkeit ein Maximum an Effekt heraus. Erste Wahl für solch ein zwischen E- und U-Musik changierendes Programm ist auch der in beiden Genres bewanderte Dirigent Ernst Theis. Unter seiner Leitung entfaltet die Deutsche Radio Philharmonie eine gelungene Mischung aus Charme, Vitalität und Leidenschaft. Die Auswahl von Orchestermusik, die im Booklet fachkundig analysiert wird, bietet gute musikalische Unterhaltung, zumal in dieser kompetenten Wiedergabe, an der auch klangtechnisch nichts auszusetzten ist.


Karin Coper, 29.09.2020

Label: cpo
Interpretation: 
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Booklet: 




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