Magazin: CD-Kritiken
Leopold Kozeluch: Piano Trios Vol.3

Details zu Leopold Kozeluch: Piano Trios Vol.3: Trio 1790

Leopold Kozeluch: Piano Trios Vol.3: Trio 1790

Zur Frühgeschichte des Klaviertrios

Die jahrelange Auseinandersetzung mit einem Komponisten kann immer wieder zu fruchtbaren Neuveröffentlichungen führen.

Seit mehr als 25 Jahren befasst sich das Trio 1790 mit den Klaviertrios von Leopold Kozeluch (Folge 1 der cpo-Edition erschien 1998). Unmittelbar an die Einspielung der Folge 2 folgte noch 2015 die Einspielung des hier zuletzt zu hörende 'Sonata für Pianoforte mit Begleitung einer Violine und eines Violoncell' F-Dur P. IX:12, 2016 ergänzt um die 'Triosonaten' A-Dur und c-Moll P. IX:8 bzw. 11 – alle drei Werke aus den Jahren 1786/87.

Der Gestus der Zeit (er war Schüler Dusseks gewesen) ist jeden Moment unüberhörbar, doch ist auch der Personalstil des Böhmen Jan Antonín Koželuh (der Vorname Leopold wurde erst nach seiner Taufe hinzugefügt) mit lichten Texturen und eingängigen Melodien: Ganz klar haben wir hier eben keine voll ausgewachsenen Klaviertrios mit drei gänzlich gleichberechtigten Partnern, sondern eben ‚Klaviersonaten mit Begleitung‘. Die dreisätzigen Werke sind jeweils durchaus unterschiedlichen Charakters, das A-Dur-Werk bietet als Mittelsatz einen Variationensatz auf, nur jenes in F-Dur ein Adagio, das hier dem Andantino con moto in der c-Moll-Sonate aber keineswegs unverwandt ist. Die c-Moll-Sonate ist fragloseste die ernsteste der drei Werke, lässt aber im Nebensatz des Finales auch elegante ländliche Stimmungen zu Wort kommen.

Rundum überzeugend

 

Die lange Vertrautheit des Trio 1790 mit Kozeluchs Idiom und dem seiner Zeit (schon 1781 hatte Kozeluch einen dermaßen guten Ruf, dass er das Angebot des Salzburger Erzbischofs ablehnen konnte, Mozarts Nachfolger als Hoforganist mit mehr als doppeltem Gehalt des Vorgängers zu werden) führt zu nicht nur einsichtsvollen, sondern rundum überzeugenden Interpretationen der drei Werke. Harald Hoeren spielt auf einem Adlam-Nachbau eines Hammerflügels des Mainzers Matthäus Heilmann mit ausgeglichenen Registern und warmem, ansprechendem Ton. Auch Annette Wehnert und Imola Gombos nutzen nicht Instrumente mit ‚großem Namen‘, sondern eine Violine aus der Werkstatt der Pariser Instrumentenbauerfamilie Lambert und ein Cello von Johann Georg Leeb. Alle drei Instrumente, entstanden um 1800, harmonieren vorzüglich. Es ist nicht zuletzt das Verdienst des Trio 1790, Kozeluchs Kammermusik wieder in das musikalische Bewusstsein zurückgebracht zu haben. Und es lohnt immer, die bisherigen Veröffentlichungen des Ensembles zu erkunden. Die Einspielungen des Deutschlandfunks sind aufnahmetechnisch vorbildlich; bis auf winzige Druckfehler ist auch das CD-Booklet tadellos.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 24.09.2020

Label: cpo
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Booklet: 




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