Magazin: CD-Kritiken
Hiller – Urspruch: Forgotten Treasures

Details zu Hiller – Urspruch: Forgotten Treasures: Joanna Sachryn, Paul Rivinius

Hiller – Urspruch: Forgotten Treasures: Joanna Sachryn, Paul Rivinius

Nicht ganz gleichberechtigt

Aufnahmetechnisch nicht rundum erfolgreiche Erkundung rarsten Repertoires.

Mit Kompositionen mit Opuszahl darf man Ferdinand von Hillers (1811–1885) Schaffen getrost reichhaltig bezeichnen. Der für die deutsche Musikentwicklung im 19. Jahrhundert wichtige Musiker schuf in seinem letzten Lebensdrittel zwei profilierte Werke für Cello und Klavier, die Serenade d-Moll op. 109 und die Sonate a-Moll op. 172 (veröffentlicht 1869 bzw. 1878). Mit seiner Sonate platziert sich Hiller klar in der Musikgeschichte zwischen Schumann, Reinecke, Brahms, dem jungen Strauss und Reger. Hiller war kein Umstürzler, aber ein hervorragender Handwerker. Er weiß für das Cello zu schreiben, er war ein ausgewiesener Klavierkomponist. Das Miteinander der Instrumente ist nicht immer ganz einfach zu bewerkstelligen, doch gerade in dem Miteinander liegt der besondere Reiz der beiden Werke.

Leider atmen die Cellistin Joannna Sachryn und der Pianist Paul Rivinius nicht immer ganz mit gleichem Atem – die ‚Schumanneske‘ dreisätzige Serenade gelingt leichter denn die komplexe viersätzige Sonate. Dennoch gibt es insbesondere im Cellopart gelegentlich Phrasen, die noch sorgsamer ausgearbeitet hätten werden können, in der Rivinius‘ pianistische charmant-verständnisinnige Präzision im Cello kein ganz vollwertiges Gegenüber findet; zu häufig werden Phrasen nicht wirklich fein austariert, gelegentlich wirken sie fast unter-studiert. Das mag auch an den gewählten Instrumenten liegen: Der Steinway-Flügel hat viel zu wenig Eigencharakter, das Mächler-Cello singt zwar wunderfein, doch ist ihm das junge Alter anzuhören. Rein technische Beherrschung der Musik reicht nicht – es braucht auch ein Verständnis für den ‚Klang der Zeit‘, im Detail wie im Großen.

Überzeugende Detailarbeit

1893 erschien Anton Urspruchs Cellosonate D-Dur op. 29 im Druck – wir sind musikalisch nun schon am Ende des 19. Jahrhunderts angekommen. Und wir können feststellen, dass Sachryn und Rivinius das Idiom Urspruchs besser liegt als jenes Hillers. Das Miteinander überzeugt stärker, auch die Ausarbeitung im Detail ist nun rundum überzeugend. Nur ein Manko bleibt leider auch hier: Die Aufnahmetechnik, brillant im Detail und von genauer Klangtreue, fügt die beiden Instrumente nicht kongenial klangtechnisch zusammen. Für den musikalischen Anspruch der CD ist der Booklettext leider etwas zu journalistisch-nonchalant geraten – als habe sich der Autor mit der Materie genauso auseinandergesetzt wie der Tonmeister.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 11.09.2020

Label: Kaleidos , VÖ: 22.05.2020
Spielzeit: 72:54
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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