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Prokofiev: Songs and Romances

Details zu Prokofiev: Songs and Romances: Margarita Gritskova, Maria Prinz

Prokofiev: Songs and Romances: Margarita Gritskova, Maria Prinz

Prokofjew einmal sanft

Margarita Gritskova und Maria Prinz präsentieren eine Auswahl der selten zu hörenden Lieder Sergej Prokofjews. Ihre Deutung ist facettenreich, doch der sanfte Aspekt überwiegt.

Selbst viele russische Sänger scheinen die Lieder Sergej Prokofjews eher stiefmütterlich behandelt zu haben, und Zusammenstellungen russischer Romanzen beschränken sich meist auf Tschaikowskij, Mussorgskij und Rachmaninow, vielleicht noch auf Glinka oder Rimskij-Korsakow. So kommt es, dass Prokofjews Liedschaffen eher ein Schattendasein fristet.

Fulminante Eröffnung

Freilich: Wer ein ernstes Interesse daran hat, kann auch Prokofjews Lieder kennen lernen. Vom 'Hässlichen Entlein' etwa gibt es eine Aufnahme mit berühmten Interpreten: Ziemlich unvergleichlich hat die russische Sängerin Nina Dorliak mit ihrem Partner Swjatoslaw Richter am Klavier jenes Frühwerk Prokofjews interpretiert, mit dem nun auch die junge Mezzosopranistin Margarita Gritskova ziemlich fulminant ihre neue Platte eröffnet. Fulminant schon allein deswegen, weil dieses Lied nach Hans Christian Andersen, wenn man es überhaupt so nennen will, in dieser Aufnahme zwölfeinhalb Minuten dauert und von Prokofjew einigermaßen herb vertont worden ist, mit ausgesprochen präzise dem Text folgenden Stimmungen. Margarita Gritskova zeigt sich wandelbar in den Klangfarben und setzt diese immer wieder abrupt wechselnden Stimmungen gekonnt um.

Gerade weil die mit nur wenig Hall versehene Akustik der Aufnahme ihr die Sache nicht unbedingt leicht macht, ist Margarita Gritskovas klangliche Kontrolle über ihre Stimme bemerkenswert. Ebenso souverän wirkt Maria Prinz, ihre Partnerin am Klavier, die sehr exakt und nüchtern spielt. Das wirkt in dem transparent gehaltenen Klaviersatz der Lieder meist überzeugend, manchmal allerdings auch allzu zurückhaltend. Es fehlt dann ein die große charismatische Geste, der wirklich knackige Anschlag. Jedenfalls aber wirken Margarita Gritskova und Maria Prinz, die bereits zuvor eine gemeinsame Platte produziert haben, dynamisch als vollkommene Einheit zusammen und legen mit dieser Aufnahme eine insgesamt sehr sanfte Deutung von Prokofjews Liedern vor.

Einfühlungsvermögen

Obwohl die beiden Musikerinnen auf ihrem neuen Album mit großem Einfühlungsvermögen demonstrieren, wie vielgestaltig und facettenreich dieses vernachlässigte Repertoire ist, geben Prokofjews Lieder durch rein oberflächliches Hören ihre Geheimnisse nicht immer preis. Mit dieser Musik braucht es schon eine ernsthafte Beschäftigung. Das zeigt sich in den fünf Liedern op. 23, von denen leider nur drei zu hören sind, und auch in den fünf Gedichten nach Anna Achmatowa op. 27, die noch zu den bekanntesten gehören und bei denen die Details der Umsetzung der Texte in Musik ihren Reiz ausmachen. Wer Russisch versteht, ist hier klar im Vorteil, zumal Margarita Gritskova recht klar artikuliert. Alle anderen können einige der Gedichte im Original sowie in englischer und deutscher Übersetzung im Beiheft verfolgen, allerdings nicht alle: Von knapp der Hälfte der Lieder, darunter auch die Achmatowa-Texte, sind leider nur Inhaltsangaben abgedruckt. Freilich ist der Ausdrucksgehalt gerade dieser fünf Lieder außergewöhnlich und wird von den Interpretinnen besonders dort gut umgesetzt, wo lyrische, ruhige und düstere Sphären vorherrschen.

Deutlich leichteres Spiel haben die Musikerinnen dennoch in den stilistisch klar zu unterscheidenden, in ihrer Tonsprache sehr viel zugänglicheren Werken der 30er und 40er Jahre, zu denen auch je eine Bearbeitung aus der Filmmusik 'Leutnant Kische' und der Kantate 'Aleksandr Newskij' gehören. Ferner zählen dazu die drei bei Interpreten und Publikum noch relativ beliebten, geradezu romantischen Lieder nach Puschkin op. 73, von denen hier leider nur eins erklingt. Den Schlusspunkt setzt Margarita Gritskova mit dem ausgesprochen kokett vorgetragenen Volkslied 'Katerina'.


Jan Kampmeier, 04.08.2020

Label: Naxos
Interpretation: 
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Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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