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J.S.Bach: Concertos for Harpsichord & Strings

Details zu J.S.Bach: Concertos for Harpsichord & Strings: Bach Collegium Japan, Masato Suzuki

J.S.Bach: Concertos for Harpsichord & Strings: Bach Collegium Japan, Masato Suzuki

Dem Vater auf der Spur

Diese erste Folge der Bach-Konzerte mit solistischer Beteiligung nur eines Cembalos gerät in der Deutung durch das Bach Collegium Japan und Masato Suzuki niveauvoll und beseelt.

Johann Sebastian Bachs Kosmos der Cembalokonzerte verschiedenen Zuschnitts ist reich erkundet; allerlei Maßstäbliches, unterschieden nach ästhetischem Zugriff, zahlenmäßiger Besetzung und instrumentaler Grundlage, liegt vor. Dennoch ist es alles andere als vermessen, einen weiteren Versuch zu wagen. Im Fall des Bach Collegium Japan spricht auch deshalb manches dafür, weil es geradezu fahrlässig wäre, die über Jahrzehnte erworbene interpretatorische Exzellenz des Ensembles in der Musik Bachs nach dem Ende aller Kantatenreihen brach liegen zu lassen.

Schon vor einiger Zeit gab es eine Platte mit Werken für zwei Cembali, solistisch geprägt von Vater und Sohn Suzuki. Jetzt liegt der erste Teil der Einspielung der Konzerte für ein solistisches Cembalo vor; das hochdekorierte Bach Collegium agiert neben Masato Suzuki in solistischer Besetzung. Zu hören sind die Konzerte mit den BWV-Nummern 1052, 1053 und 1056. Dazu kommt BWV 1059R: Eine feine Rekonstruktion, die Masato Suzuki selbst angefertigt hat. Basis ist ein nur neuntaktiges Fragment von Bachs Hand, das auf einige Sätzen der Kantate BWV 35 'Geist und Seele wird verwirret' rekurriert, dort mit obligater Orgel versehen ist. Suzuki hat dieses nicht leicht zu explizierende Material idiomatisch, sicher in der Technik und trefflich in der Wirkung zu einem echten, viertelstündigen Konzert gefügt. Eine schöne Bereicherung.

Es steht damit in enger Verbindung zu den anderen Kompositionen vergleichbarer Art, zumal in solistischer Besetzung als kammermusikalische Wunderwerke voller Saft und Kraft. Mit Blick auf den Entstehungskontext etlicher der Werke im Zusammenhang mit Bachs Aktivitäten im Leipziger Collegium Musicum schreibt Yo Tomita im instruktiven Booklet: ‚Dem frischen, überschwänglichen Charakter seiner Konzerte meint man entnehmen zu können, wie sehr Bach die Freiheit genossen hat, seine Zeit mit dieser Musik und seinen Musikerkollegen zu verbringen.‘ Er etablierte das Cembalo mit seinen Werken als Soloinstrument in der Konzertform und noch heute frappiert, auf welchen Höhen sich diese Soli – eine später unendlich weitergesponnene Konstellation bei aller Unterschiedlichkeit in Spieltechnik und funktionaler Ausgestaltung der Tasten-Stimme – bereits bewegten.

Solistisches Profil und feines Kammerensemble

Masato Suzuki ist nicht nur Sohn einer Bach-Legende, sondern ein sorgfältig ausgebildeter Cembalist, Organist, Dirigent und Komponist und erhielt wie sein Vater Masaaki entscheidende Impulse in den Niederlanden. Praktisch ist er natürlich im Umfeld und mit den musikalischen Projekten seines Vaters gereift, an denen er seit langem beteiligt ist. Er präsentiert sich – neben seiner Arbeit als Nach-Schöpfer in BWV 1059R – als behänder, technisch unangefochtener Cembalist, der die im Booklettext apostrophierte Spielfreude und Leichtigkeit mit seiner Lesart zu transportieren weiß. Er trägt die Platte als Primus inter Pares ganz maßgeblich selbst und dokumentiert damit seine künstlerische Reifung. Als Instrument steht ihm dabei die von Willem Kroesbergen in Utrecht gefertigte Kopie eines Couchet-Cembalos zur Verfügung, die ein edles, modulationsfähiges Volumen aufweist, viel feines Silber im Diskant, eine sonore Mittellage und prägnante, frei schwingende Tiefen.

Das Ensemble versammelt sich zu konzentrierter Geste, exemplarisch im fast karg wirkenden Pizzicato-Adagio von BWV 1056 nachzuhören. Insgesamt fallen alle Qualitäten einer kammermusikalischen Besetzung ins Gewicht, die freilich zu Zeiten durchaus auch in größere Wirkungen gesteigert werden – allerdings völlig ohne Force, einfach in voller Blüte des eminenten Vermögens. Natürlich sind daneben vor allem Zartsinn und Delikatesse zu hören. Artikulatorisch sitzt jedes Detail, passt jede Phrase: Hier wurde erkennbar akribisch gearbeitet und dann mit musikalischer Begeisterung expliziert, dabei auch dem feinen Lyrismus durchaus nicht abhold. Klanglich bietet diese hybride SACD aus dem Hause BIS ein luzides, zugleich fein erwärmtes Bild, reich an Details und stimmig in der Balance, dazu elegant in der Präsentation der kammermusikalischen Energie der Instrumentalisten.

Diese erste Folge der Bach-Konzerte mit solistischer Beteiligung nur eines Cembalos gerät in der Deutung durch das Bach Collegium Japan und Masato Suzuki niveauvoll und beseelt. Suzuki vermag das Programm zu tragen. Damit tritt er vernehmlich in die Fußstapfen seines Vaters und überzeugt daneben auch als kundiger Bearbeiter in BWV 1059R.


Dr. Matthias Lange, 17.08.2020

Label: BIS Records
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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