Magazin: CD-Kritiken
L.v.Beethoven: Symphony No.6, Gassenhauer Trio

Details zu L.v.Beethoven: Symphony No.6, Gassenhauer Trio: Beethoven Trio Bonn

L.v.Beethoven: Symphony No.6, Gassenhauer Trio: Beethoven Trio Bonn

Komprimierte 'Pastorale'

Das Beethoven Trio Bonn mit einem wertvollen Beitrag zum Jubiläumsjahr.

Bei weitem nicht alle unter der regelrechten Flut von Aufnahmen zum Beethoven-Jahr verdienen das Prädikat ‚wertvoll‘ – die vorliegende, in Co-Produktion mit dem Deutschlandfunk bei OehmsClassics erschienene Veröffentlichung gehört zu denjenigen, die gehaltvoll herausragen. Formiert hat sich das Beethoven Trio Bonn im Jahr 2005, neben den beiden Gründungsmitgliedern Mikhail Ovrutsky (Violine) und Grigory Alumyan (Violoncello) komplettiert seit 2015 der südkoreanische Pianist Jinsang Lee das Ensemble.

Prägnante Kontraste

Schon in Beethovens Klaviertrio Nr. 4 B-Dur op. 11, dem sogenannten 'Gassenhauer-Trio', stellen die drei ihre eingespielte Kommunikationsfähigkeit unter Beweis. Nicht nur Intonation und Durchhörbarkeit stimmen, im Kopfsatz formen die drei atmungsaktive Phrasen und schaffen prägnante dynamische Kontraste. Läufe und Passagenwerk besitzen flüssige Eleganz. Einzig die notierte Staccato-Artikulation, besonders ausgangs der Exposition im Klavierpart, könnten ein wenig markanter ausfallen. Mit der in der Überschrift verlangten Expressivität spielen sie den Mittelsatz, mit feinen Pianissimo-Schattierungen werden Spannungsbögen bis zum dezent ausklingenden ‚Morendo‘ auf- und abgebaut. Das Thema des finalen Variationssatzes basiert auf einem Terzett aus der Oper 'L‘amore marinaro' des Wiener Hofkapellmeisters Joseph Weigl. Stilsicher beleuchten sie die abwechslungsreichen Facetten zwischen lässiger Verspieltheit und warmen Kantilenen. Mit funkelnder Geläufigkeit gestaltet Jinsang Lee seinen Part (etwa in der ersten Variation), zartes Streichertimbre überzeugt in den Variationen Nummer zwei und vier. Temperamentvolle Kräfte setzt das Trio in der dritten und fünften Variation frei, und so bleibt auch das vermeintlich banale Spiel mit einer populären Melodie musikalisch durchweg spannend. Diese Fassung des ursprünglich für Klarinette, Klavier und Cello konzipierten Stücks stammt übrigens von Beethoven selbst – im Gegensatz zum darauffolgenden Werk, einer in transkribierter Form echten Rarität: Beethovens Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68, allseits bekannt als 'Pastorale'.

Dynamisch explosiv

Fast ebenfalls schon zu einer Art ‚Gassenhauer‘ hat sie sich in der herkömmlichen Orchesterfassung entwickelt, das Arrangement für Klaviertrio geht auf das Konto eines gewissen Christian Gottlieb Belcke (1796-1875), seines Zeichens Mitglied des Leipziger Gewandhausorchesters. Nicht nur der beweist ein gutes Gespür für die satztechnische Übertragung, auch die drei Musiker malen die programmatischen Bilder eindringlich aus. Prädestiniert dafür sind die von Haus aus ohnehin eher introvertierten Passagen des Originals, wie es sie vor allem im 'Hirtengesang' und in der 'Szene am Bach' gibt. Hier erzeugt das Beethoven Trio komprimierte lyrische Intensität. Aber auch rustikal-derbes Flair ('Zusammensein der Landleute') funktioniert in dieser Besetzung, und im Gewitter geht es sehr wohl statisch aufgeladen und dynamisch explosiv zu. Dass hier und da der orchestrale Duktus fehlt, liegt in der Natur der Sache. Die Bearbeitung zeigt aber in jedem Fall neue und spannende Klangperspektiven auf: Auch im kammermusikalischen Kleinen verlieren sowohl Arrangement als auch Ausführende nie den musikalischen Blick fürs große symphonische Ganze.


Thomas Gehrig, 04.09.2020

Label: CAvi-music
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