Magazin: CD-Kritiken
Leopold van der Pals: Concertos for Violin, Piano & Cello

Details zu Leopold van der Pals: Concertos for Violin, Piano & Cello: Helsingborg Symphony Orchestra, Fredrik Burstedt

Leopold van der Pals: Concertos for Violin, Piano & Cello: Helsingborg Symphony Orchestra, Fredrik Burstedt

Zunehmende Kompaktheit

Diese zweite cpo-Veröffentlichung mit Musik des Holländers Leopold van der Pals zeigt vor allem anhand dreier konzertanter Werke die erstaunliche Entwicklung seiner Tonsprache.

Ist es peinlich, wenn man den Namen des Komponisten Leopold van der Pals noch nie gehört hat? Wohl eher nicht. Der 1884 geborene und 1966 verstorbene Holländer teilt mit vielen seiner Generationsgenossen das Schicksal, zu Lebzeiten durchaus eine gewisse Bekanntheit erlangt zu haben, aber posthum schnell in Vergessenheit geraten zu sein. Viele Jahre lang interessierten sich weder Musiker noch Musikwissenschaftler für sein umfangreiches Schaffen. Erst 2002 erschien mit Wolfram Grafs Monographie 'Leopold van der Pals – Komponieren für eine neue Kunst' ein Buch, das die Aufmerksamkeit auf den Tondichter und sein Schaffen lenkte. 2018 war es schließlich das Pionier-Label cpo, das einige Orchesterwerke van der Pals‘ veröffentlichte und die Musik des Holländers damit den interessierten Hörern zugänglich machte. Vorliegende CD schließt an diese Veröffentlichung an, es musiziert erneut das Helsingborger Symphonieorchester. Zu hören sind diesmal drei Instrumentalkonzerte sowie die 'Mönch Wanderer'-Suite, ein gattungstechnisch schwer zu definierendes Werk, das man wohl am ehesten als ‚freie Orchestersuite‘ bezeichnen könnte. Die Solisten sind Gordan Trajkovic (Violine), Tobias van der Pals (Violoncello) und Marianna Shirinyan (Klavier); Fredrik Burstedt dirigiert.

Souveräne Interpretation

Beim Konzertstück für Violine und Orchester op. 10 verrät schon der Titel, dass es sich nicht um ein ‚großes‘ Konzert handelt, nichtsdestotrotz dauert das Werk 19 Minuten. Der Orchestersatz ist mit Anklängen an die deutsche Romantik (Schumann, Brahms) sehr transparent gehalten, ein quasi-symphonisches Miteinander von Solist und Orchester war hier erkennbar nicht van der Pals‘ Ziel. Die Violine bekommt jede Menge Freiraum zur virtuosen, aber auch lyrischen Entfaltung – eine Chance, die Trajkovic sich nicht entgehen lässt. Mit einem sehr klaren und eingängigen Ton und einer vielschichtigen Dynamik gelingt ihm eine souveräne Interpretation des Werkes, die verschmerzen lässt, dass die Orchestermusiker hier stellenweise nur etwas belanglose Begleit-Aufgaben erfüllen müssen. Sie tragen ihren Job mit Fassung und rollen so dem Solisten gleichsam den roten Teppich aus – das Werk lebt von der violinistischen Leistung, und diejenige Trajkovics kann sich definitiv hören lassen. Da kann es der Hörer auch verschmerzen, dass diesem Stück ein individueller Tonfall noch weitgehend fehlt.

Dieser ist im Cello-Concertino op. 108 (Bearbeitung eines ursprünglichen Saxophonkonzertes) dagegen durchaus vorhanden, zudem präsentiert sich das Werk angenehm und kompakt und weist nicht mehr die eine oder andere Redundanz auf, die es in op. 10 noch gab. Tobias van der Pals ist den solistischen Herausforderungen vollauf gewachsen und hat keine Mühe, sich gegen den von Burstedt klug dosierten Orchesterklang durchzusetzen. Mit den beiden schwungvollen Ecksätzen und dem hochmelodischen Adagio-Mittelabschnitt ist das Concertino ein höchst gelungenes Stück, das eine Chance im Konzertsaal verdient hätte. Van der Pals hat die Wege der Romantik hier nicht vollständig verlassen, doch der Klang wirkt geschärft, die Tonsprache etwas rauer als im Violin-Konzertstück. Wer unbedingt in Schubladen denken möchte, könnte hiermit argumentieren, der Komponist habe sich der Neuen Sachlichkeit angenähert.

Das Klavierkonzert op. 100 heißt ausdrücklich nicht 'Concertino', ist aber mit einer Dauer von gerade mal neuneinhalb Minuten das kürzeste der drei hier versammelten konzertanten Werke. Die Kompaktheit schadet dem Stück nicht, offenbar hatte van der Pals mit fortschreitenden Opuszahlen zunehmend mehr Erfolg dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Im Klang dem Cellokonzert verwandt, wirkt es dennoch eine Spur blasser; an Marianna Shirinyan, die ihren Part tadellos bewältigt, liegt dies aber nicht. Das einleitende Andante kommt etwas schleppend daher, die beiden folgenden Sätze erhöhen den Schwung immerhin ein bisschen. Vor allem im Finale können die Interpreten mit einer wirkungsvollen Schluss-Steigerung überzeugen. Dennoch kann man nach Kenntnis aller drei konzertanten Werke festhalten, dass van der Pals das Cello-Concertino am besten gelungen ist.

Gelungener Abschluss

Und die 'Mönch-Wanderer'-Suite? Die Auszüge aus einem ursprünglichen Bühnenwerk (vom Komponisten selbst zusammengestellt) wirken einerseits klanglich reizvoll und raffiniert instrumentiert, andererseits fehlt dem Werk die stringente Kompaktheit des Cello- und des Klavierkonzertes. Sauber und schwungvoll musiziert wird hier allemal, die Holzbläser des Helsingborger Orchesters können sich besonders auszeichnen. Insgesamt ist die Suite der gelungene Abschluss einer Veröffentlichung, die mit ihren vier Werken eindrucksvoll die Entwicklung des Komponisten dokumentiert. Wie Wolfram Graf es im Beiheft sehr schön geschrieben hat, ‚entstand zunehmend eine Faktur, welche ihre Ästhetik mehr aus der Konzentration des Materials denn aus der großen formellen Anlage heraus entwickelte.‘ Dank dieser sehr guten, auch klanglich bestens ausbalancierten Interpretationen kann man dies wunderbar nachvollziehen.


Dr. Michael Loos, 23.09.2020

Label: cpo
Interpretation: 
Klangqualität: 
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Booklet: 




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