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Zygmunt Stojowski: Songs

Details zu Zygmunt Stojowski: Songs: Magdalena Molendowska, Julia Samojlo

Zygmunt Stojowski: Songs: Magdalena Molendowska, Julia Samojlo

Klänge der Heimat

Magdalena Molendowska und Julia Samojlo erwecken die Lieder von Zygmunt Stojowski zu neuem Leben.

Wenn von herausragenden polnischen Pianisten der Vergangenheit die Rede ist, die gleichzeitig als Komponist anerkannt und als Pädagoge gefragt waren, denkt man meistens zuerst an Frédéric Chopin, dann an Ignacy Jan Paderewski. Ähnliche Bedeutung erlangte seinerzeit Zygmunt Stojowski, der 1870 nahe Krakau geboren wurde. Heute steht er im Schatten dieser beiden Großen, trotz des Ansehens, das er zu Lebzeiten in allen drei Bereichen genoss. Schon mit 17 Jahren ging er nach Paris, um seine musikalische Ausbildung, die er in seiner Heimat begonnen hatte, zu vervollkommnen. Hier studierte er Komposition bei Léo Delibes und Théodore Dubois. 1891 wurde Paderewski sein Klavierlehrer und im gleichen Jahr gab er sein Konzertdebüt. Es markierte den Beginn einer internationalen Karriere, die ihn schließlich 1905 in die USA führte, wo er bis zu seinem Tod 1946 lebte.

Klavier- und Kammermusik beherrschen Stojowskis Werkkatalog, Vokales hingegen nimmt nur eine untergeordnete Rolle ein, durchzieht aber die gesamte Schaffenszeit des Komponisten. Die ersten Liedversuche, gefühlvolle Melodien, datieren schon von 1884 bzw. 1886, die nächsten drei Einzelstücke und ein fünfteiliger Zyklus stammen aus der französischen Periode und sind impressionistisch gefärbt. In die Spätphase fallen die Sammlungen 'Chansons Polonaises' von 1927 und 'Memories of Poland' von 1945, die auf nationalen Volksweisen beruhen und Erinnerungen an die Heimat hervorrufen.

Leuchtende Höhen

Die vorliegende Einspielung enthält fast sämtliche Lieder Stojowskis. Magdalena Molendowska singt sie mit warmem Sopran und leuchtenden Höhen, wenn auch nicht immer ganz intonationsrein. Als Muttersprachlerin kann sie sich genau in die Stimmung der einzelnen Stücke einfühlen, die sie mit Hingabe interpretiert. Nur hapert es an der Klarheit der Aussprache bei den französischen Liedern.

Als gleichberechtigte Partnerin erweist sich Julia Samojło, die weit mehr ist als eine sensible und fingerfertige Begleiterin an den Tasten. Sie setzt eigene Akzente bei den Klavierparts, deren Farbigkeit auf den komponierenden Pianisten hinweist, und entlockt ihrem Instrument ein Spektrum an delikaten Schattierungen.

Der englisch-polnische Einführungstext im Booklet, den Magdalena Molendowska selbst verfasst hat, geht eher beiläufig auf die Biographie Stojowskis ein und konzentriert sich, durchaus erhellend, auf die Analyse der Lieder, deren Texte bedauerlicherweise nicht abgedruckt sind. Technisch ist das Album tadellos und als diskographische Repertoireerweiterung ein Gewinn.


Karin Coper, 18.08.2020

Label: DUX
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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