Magazin: CD-Kritiken
Josef Suk: Klavier- und Kammermusik

Details zu Josef Suk: Klavier- und Kammermusik: Kiveli Dörken, Christian Tetzlaff, Florian Donderer, Timothy Ridout, Tanja Tetztlaff

Josef Suk: Klavier- und Kammermusik: Kiveli Dörken, Christian Tetzlaff, Florian Donderer, Timothy Ridout, Tanja Tetztlaff

Mit bezwingender Macht

Ein faszinierendes Schlaglicht auf das Kammermusikschaffen von Josef Suk.

Mit zwei kontrastierenden Kammermusikwerken wirft diese bei ARS Produktion erschienene SACD ein faszinierendes Schlaglicht auf das Schaffen Josef Suks (1874-1935) zwischen Spätromantik und Moderne, tschechischem Folkloreton und europäischem Epochenstil. Das frühe Klavierquintett in g-Moll op. 8 von 1893 – 1915 überarbeitet – erfreut sich zwar bereits einiger Einspielungen, dies dürfte jedoch die erste in Surround sein. Und wenn namhafte Größen wie die Geschwister Christian und Tanja Tetzlaff dabei sind, ergänzt durch den Primarius des Signum Quartetts Florian Donderer und den jungen Bratschisten Timothy Ridout, macht das die Sache noch interessanter. Als die Pianistin dieser Aufnahme steht die ebenfalls noch junge Kiveli Dörken im Mittelpunkt, denn das zweite Werk ist der über eine halbe Stunde dauernde Klavierzyklus 'Erlebtes und Erträumtes' von 1909. Letzterer stellt mit zehn Klavierstücken zwischen anderthalb und sechs Minuten eine Art musikalisches Tagebuch des Komponisten dar, wie Dörken selbst im Booklet erläutert. Mit klarem Zugriff und ebenso klarem Spiel erschließt die gebürtige Düsseldorferin diese eingängigen, bisweilen spröden Charakterstücke, die allesamt originelle Überschriften aufweisen ('Fein und geschwätzig', 'Schlicht. Später mit bezwingender Macht'). Zwischen teils schroffer Harmonik, nie virtuoser Verspieltheit und humoristischem Tonfall arbeitet Dörken dabei die jeweiligen Charaktere atmosphärisch dicht wie präzise heraus.

Expressivo

Wüsste man die Namen der Beteiligten nicht, könnte man im Klavierquintett von einem fest etablierten Ensemble ausgehen, mit solch überlegener Souveränität und spannungsvollem Zugriff gehen hier alle zu Werke. So hochexpressiv, wie vor allem die Ecksätze gehalten sind, ist das aber auch nötig. So werden im Kopfsatz Spannungszustände erreicht, wie man sie sonst nur aus der Kammermusik für Streicher und Klavier von Brahms kennt. Fernab von Epigonalität zeigt sich der gerade 18 Jahre alte Josef Suk hier bereits als Meister der komplexen Form und des Ausdrucks, plötzlicher Umschwünge, überraschender harmonischer Verläufe  – ein Werk das definitiv häufiger auf den Spielplan gehört und kanonwürdig sein dürfte.

Im Surround-Modus verfügt die Aufnahme aus dem Sendesaal Bremen über einen deutlichen Raumanteil, der zunächst gewöhnungsbedürftig war. Dies zumal die beiden hinteren Lautsprecher recht stark angespielt werden. Bereits beim zweiten Hören war das dann jedoch bereits kein Problem mehr, denn die fünf Stimmen sind transparent aufgefächert und plastisch eingefangen. Im Klavierzyklus lässt die klangliche Präsenz des Flügels in Stereo wie in Surround keine Wünsche offen.


Dr. Aron Sayed, 05.01.2021

Label: ARS Produktion
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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