Magazin: CD-Kritiken
Ivry Gitlis: The Legend

Details zu Ivry Gitlis: The Legend: Werke von Berg, Hindemith, Bloch, Bruch, Siblius, Tartini

Ivry Gitlis: The Legend: Werke von Berg, Hindemith, Bloch, Bruch, Siblius, Tartini

Dem Geiger Ivry Gitlis zum 100. Geburtstag

Ein eigenwilliger Protagonist der Violinwelt, der fast ein ganzes Jahrhundert durchlebte, spielt die großen 'Schlachtrösser' der Violinliteratur.

Zum 100. Geburtstag des Geigers Ivry Gitlis legt die Edition Günter Hänssler eine 4-CD-Box vor, die Aufnahmen der Jahre 1949-1962 bündelt, also jener Nachkriegsjahre, in denen die Leistung des Geigers im Zenit stand. Die Programmauswahl enthält wichtige Werke der Literatur, zeigt aber doch Gitlis' absolute Eigenwilligkeit, gilt er doch bis in unsere Tage als sogenannter "Freigeist" unter den Violinvirtuosen des 20. Jahrhunderts, obwohl sich seine Ausbildung nicht so sehr von denen anderer Größen seiner Zeit wie z.B. Menuhin unterscheidet. 1922 in Haifa geboren, hörte ihn Bronislaw Huberman, der ihn nach Paris empfahl, wo er 13-jährig den 1. Preis am Konservatorium absahnte. Flesch, Thibaud und Enescu vervollkommneten seine Studien. Seine Weltkarriere begann nach dem Sieg 1951 beim Jacques Thibaud Wettbewerb. Ein Hauch dieser Routine, die dann folgte, ist hier auf den Platten eingefangen. Gitlis' Spiel ist zwar auf seine Art genial, ein Perfektionist war er aber niemals. Sein Vibrato im Mendelssohn e-Moll-Violinkonzert ist deutlich zu intensiv und auch zu einseitig, sein Ton auch im Tschaikowsky-Violikonzert zu süßlich für heutige Maßstäbe. Es ist der Stil der Zeit. Es klingt immer ein wenig nach Draufgängertum, schon fast Rücksichtslosigkeit gegenüber den Orchestern oder Klavierpartnern nach dem Motto: "Hallo, ich bin da." Intonation gerät da oft zur Nebensache. Dafür sind die Tempi atemberaubend schnell. Virtuosentum war immer Gitlis' Stärke. Hier musiziert ein sehr egoistischer Geiger, der wenig Raum für Fantasie, Ruhe, Gelassenheit neben sich lässt. Natürlich hat er auch Verdienste um seltener gespielte, (seinerzeit) zeitgenössische Werke wie Stravinskys D-Dur Konzert oder Bartóks Konzert No. 2, das er leidenschaftlich und wirklich genial hinlegt. Da ist sein dominantes, irisierendes, jonglierendes Spiel absolut gefragt und angemessen. Der zum Zeitpunkt der Einspielung 33-Jährige macht da eine blendende Figur, bis heute. Leider fehlt in der Box die wichtige Aufnahme des Bruch-Violinkonzerts, die ebenfalls Mitte der 1950er Jahre entstand. Dafür gibt es Alban Bergs, Paul Hindemiths und Mendelssohns 1. Violinkonzert g-Moll sowie einige kleinere Werke der Violinliteratur.


Manuel Stangorra, 01.07.2022

Label: Profil - Edition Günter Hänssler
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Repertoirewert: 



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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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