Magazin: CD-Kritiken
David Monrad Johansen: Piano Concerto op.29

Details zu David Monrad Johansen: Piano Concerto op.29: Oliver Triendl, Kristiansand Symphony Orchestra, Eivind Aadland

David Monrad Johansen: Piano Concerto op.29: Oliver Triendl, Kristiansand Symphony Orchestra, Eivind Aadland

Unbekannter Norweger

Der in Deutschland fast gänzlich unbekannte Norweger David Monrad Johansen überrascht durch seine Biografie wie durch die Dichte seiner Kompositionen.

Der Norweger David Monrad Johansen (1888–1974) ist ein kraftvoller profilierter Komponist, auch wenn sein Name allerhöchstens Eingeweihten bekannt sein dürfte. Sein Leben kann heute in Teilen durchaus problematisch angesehen werden – während der Nazizeit kollaborierte er offen mit den Faschisten und war während des Krieges Mitglied des von den Besetzern eingerichteten ‚Kulturting‘ –, doch ist zumindest klar, dass wir es mit einem scharf profilierten Komponisten von durchaus eigener Sprache zu tun haben.

Die hier vorgestellten vier Werke mit Orchester entstammen den Jahren 1939–1963. Die früheste Komposition ist die symphonische Musik 'Pan' op. 22, die Johansens international bekannteste Schöpfung wurde. Wir haben hier ein wenig die Harmonik Sibelius‘, ein wenig den Sensualismus Delius‘, doch auch zahlreiche andere Komponisten könnte man als Paten heranziehen. Die Komposition ist dem Schriftsteller Knut Hamsun gewidmet und bezieht seinen außermusikalischen Impuls aus Hamsuns Jugendwerk 'Pan'.

Stilistisch eng verwandt sind die 'Symphonischen Variationen und Fuge' op. 23 (1944-46). Hier haben wir den reifen Komponisten mit ganz typischen tonartlichen Techniken – etwa der Mischung chromatischer und bitonaler Spannungen bei gleichzeitig außerordentlicher Beherrschung des Orchesterapparates. Diese Komposition entstand einerseits im Spannungsfeld des Kriegsendes und der Verurteilung als Kollaborateur mit Gefängnishaft und der lebhaften Diskussion um die Trennung von Person und Musik andererseits. Johansen rekurriert bis ins Barock oder bis Brahms, lässt aber auch die Erlebnisse eines nationalistischen Komponisten zwischen nationalem Erbe und nationalsozialistischer Verirrung klanglich spürbar werden. Dass Johansen sich seine Situation nicht leicht machte, ist klar zu hören und spiegelt sich sicher auch in den Revisionen der Komposition 1959 und 1964. Ein kleines Denkmal des norwegischen Erbes bieten die sieben 'Epigramme über norwegische Motive' op. 31 (1963), die Johansen als Meister auch der kleinen Form zeigen.

Verhangener Ton

 

Das Klavierkonzert Es-Dur op. 29 entstand 1955 und kann durchaus als anachronistisch empfunden werden – immer wieder scheinen martialische Klänge Erinnerungen an die Besatzungszeit wachzurufen, das zentrale Adagio mit fahlen Klängen die verstörende Kriegssituation in die Gegenwart zu transportieren (man fühlt sich etwa an manche Sinfoniesätze von Ralph Vaughan Williams erinnert). Oliver Triendl findet den passenden verhangenen Ton für entsprechende Passagen, den kraftvollen Ausdruck für die kriegerischen Erinnerungen. Zusammen mit dem Kristiansand Symfoniorkester unter der Leitung von Eivind Aadland erschafft Triendl ein ergreifendes, packendes Klangpanorama von starker emotionaler Eindringlichkeit.

Leider entspricht die Einspielung im orchestralen Anteil durch etwas entfernte Mikrofonierung gerade der Orchesterwerke ohne Klavier nicht ganz dem von cpo gewohnten hohen Standard, die musikalische Klarheit, gute Staffelung des Orchesterklanges ist aber immer gewährleistet. Vom Booklettext hätte man sich gerade mit Blick auf Johansens biografische Seite etwas mehr Tiefe gewünscht.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 12.08.2020

Label: cpo
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2020) herunterladen (3402 KByte)