Magazin: CD-Kritiken
Hans Gál: First complete recordings for flauto and piano

Details zu Hans Gál: First complete recordings for flauto and piano: Sabrina Frey, Flöte & Bernhard Parz, Klavier

Hans Gál: First complete recordings for flauto and piano: Sabrina Frey, Flöte & Bernhard Parz, Klavier

Schottisches für Blockflöte

Die Gesamteinspielung von Hans Gáls Werken für Blockflöte ist keine rundum gelungene Sache.

Wie nachteilig es sich auswirken kann, wenn man die englische Sprache nicht gut beherrscht, erweist die Bookletgestaltung der vorliegenden CD. Der vollständige Titel 'Remembering Vienna. First Complete Recordings for flauto and piano' enthält gleich drei Fehler – gemeint ist die Gesamteinspielung der Werke mit Blockflöte und Klavier. Die Blockflöte hat in der britischen Musik (und seit 1940 war Hans Gál in Schottland ansässig) seit den 1920er Jahren durch den Pionier der Alten Musik Arnold Dolmetsch auch in der zeitgenössischen Musik eine reiche Wiederbelebung erfahren – im Falle Gál entstanden 1958–1983 fünf kleiner dimensionierte Werke mit und ohne Klavier.

Stilistisch entspricht die Musik ganz dem Geschmack der damaligen Zeit, wie wir sie bei diversen vornehmlich englischen Kollegen kennen. Leider kennt die Bookletautorin diese Tradition nicht und gelangt daher in ihren Einlassungen zu einer irreführenden Kontextualisierung. Der Bezug auf Wien wird vornehmlich aus einem Buch Gáls aus dem Jahr 1948 bezogen, als der Emigrant noch nicht hinreichend im britischen Musikleben Fuß gefasst hatte. Im Gegenteil sind die vorliegenden Kompositionen häufig ausgesprochen Ausdruck der Aufnahme für ihn neuer Traditionen – natürlich nicht ohne einen Hauch Wien.

Tadelloses Spiel

Im Blicke dieser den Musikern offenbar eher unbekannten Tradition wirken die Interpretationen nicht selten eher ‚entwurzelt‘ – doch mag dieser Eindruck auch durch die Tontechnik bestärkt werden. Leider ist die Balance zwischen Blockflöte und Klavier misslungen – der Flügel klingt in größter Klarheit nicht selten aus zu starker Nähe mikrofoniert. Dadurch ist der Klavierpart nicht selten fast unter der Lupe hörbar, wirkt manches (möglicherweise auch kompositorisch) gewollter als es gemeint ist. Sabina Freys Spiel ist tadellos – ohne übertriebene Ambition (es handelt sich teils eher um Hausmusik denn um Konzertwerke), mit feiner Phrasierung und guter dynamischer Ausarbeitung. Auch Bernhard Parz ist hörbar mit Freude bei der Sache, und es muss unklar bleiben, ob es Gáls Texturen sind, die das Gesamtergebnis nicht rundum glücklich erscheinen lassen, oder ob Parz das letzte Quäntchen ‚Überspielungsfähigkeit‘ abgeht, um die Klippen der Musik zu mildern. Die drei Werke für Blockflöte allein, 'Moment musical' von 1959 und 'Sonatina' und 'Four Bagatelles' op. 110A und 110B von 1983 fordern die Atemreserven der Solistin gehörig, um sozusagen ‚unendliche‘ Melodiebögen zu spinnen.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 18.11.2020

Label: TYXart
Spielzeit: 70:57
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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