Magazin: CD-Kritiken
Beethoven and his contemporaries

Details zu Beethoven and his contemporaries: Raffaele La Ragione, Marco Crosetto

Beethoven and his contemporaries: Raffaele La Ragione, Marco Crosetto

Beethovens Mandolinist

Der Italiener Bartolomeo Bortolazzi inspirierte Beethoven und Hummel zu Werken für Hammerklavier und Mandoline.

Auch randständiges Beethoven-Repertoire findet seine Interpreten, und Beethovens Werke für Mandoline und Fortepiano finden hier nicht ihre Ersteinspielung, nicht einmal ihre historisch informierte Ersteinspielung. Doch ist der Zugang der vorliegenden CD ein durchaus neuer und eigener – Raffaele La Ragione hat sich mit großem Engagement und starkem Entdeckerdrang auf die Spuren der vorgestellten Werke und der ihnen beizugesellenden Instrumenten begeben. Wir lernen hier viel über die ‚Brecianer Mandoline‘, das Verhältnis Beethovens zu ihm und den Verbindungen in der damaligen Zeit. Ohne den Mandolinvirtuosen Bartolomeo Bortolazzi hätte er dennoch sicher nie für das Instrument geschrieben – ebenso wie Johann Nepomuk Hummel.

Beethoven und Hummel umrahmen so hier auch denn eine um 1804 entstandene Sonate D-Dur op. 9 von Bortolazzi. Der Klaviersatz mag teilweise etwas uninspiriert und holprig sein, doch wird dies leider auch hervorgehoben durch unimaginatives, im Dynamischen gänzlich farblosen Spiel Marco Crosettos. Das Zusammenspiel beider Musiker ist perfekt aufeinander abgestimmt, und die besonderen Anschlagsqualitäten der Instrumente könnten optimal harmonieren und ergänzen sich klangfarblich auch schön – wären nicht die beträchtlichen Interpretationsunterschiede der beiden Musiker. La Ragione schattiert sorgfältig und phrasiert imaginativ, Crosetto bleibt im Vergleich häufig eindimensional. Dies fällt besonders in der Bortolazzi-Sonate auf, für die der McNulty-Nachbau eines Graf-Instruments von 1819 denkbar ungeeignet zu sein scheint. In Hummels Granda Sonata C-Dur op. 37a (ca. 1810) bemüht sich Crosetto auf dem gleichen Instrument um mehr Farben, bleibt aber insgesamt dennoch zumeist knapp hinter La Ragione zurück.

Eigene Sicht

Vier kleinere Werke für Hammerflügel und Mandoline schuf Beethoven, deren Entstehung 1796 und Überlieferung durchaus nicht uninteressant ist. Raffaele La Ragione zeichnet in seinem überaus kenntnisreichen Booklettext die genaue Situation nach, wertet die erhaltenen Quellen sorgfältig gegeneinander ab und bietet vor allem eine musikalisch durchaus eigene Sicht. Das 'Andante' mit Variationen D-Dur, das 'Adagio ma non troppo' Es-Dur und die Sonatinen C-Dur und c-Moll erfahren hier vorzügliche Wiedergaben. Dies ist nicht zuletzt dem Instrumentenwechsel Crosettos zu danken – der McNulty-Nachbau eines Walter-Hammerflügels von 1792 ermöglicht gerade jene Differenziertheit und Wärme, an der es den Interpretationen auf dem Graf-Nachbau mangelt. So steht Beethoven unvermutet in voller Kraft im Zentrum der Produktion.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 28.10.2020

Label: Arcana
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