Magazin: CD-Kritiken
Dietrich Fischer-Dieskau: Lied Edition Vol.1

Details zu Dietrich Fischer-Dieskau: Lied Edition Vol.1: Ausgewählte Lieder

Dietrich Fischer-Dieskau: Lied Edition Vol.1: Ausgewählte Lieder

Historischer Charakter

Studio-Aufnahmen des Liedsängers Dietrich Fischer-Dieskau aus zehn Jahren mit einem ?Live-Ausreißer?.

78 CD-Produktionen mit Dietrich Fischer-Dieskau verzeichnet die Website des Labels Orfeo – nicht alles sind ‚Unikate‘, auch Sammeleditionen haben sich daruntergemischt. Die vorliegenden 5 CDs weisen insgesamt eine weitgehend klare Struktur auf – handelt es sich doch weitgehend um die frühesten Produktionen mit Liedaufnahmen, die der Sänger für das Münchner Label eingespielt hat: Mit Zelter und Reichardt (eingespielt 1983 bzw. 1990) ist Musik der Zeit um 1800 stark präsent, ergänzt um Spohr-Lieder und Duette (1984) und Lieder von Pfitzner (die früheste Produktion von 1982). Was aber macht der Live-Mitschnitt von Wolfs 'Italienischem Liederbuch' von 1958 in dieser Box? Diese aufnahmetechnisch deutlich abweichende Mono-Produktion zeigt den Sänger und auch seine Gesangspartnerin Irmgard Seefried in bester Form, Erik Werba ist ein sensibler, etwas zurückgenommen aufgenommener Klavierpartner. Stimmtechnisch eher am Ende von Fischer-Dieskaus Karriere erleben wir den Sänger in den anderen Produktionen, bei aller Kunst im Detail.

Die Pfitzner-Platte (mit Hartmut Höll am Klavier) ist in ihrer Differenziertheit trotz der Tendenz zur Über-Emphase und intonatorischen Schwächen immer noch ein wichtiger Beitrag zur Lieddiskografie dieses Komponisten, während die Spohr-Platte, in der Fischer-Dieskau und Höll durch Júlia Várady, den Geiger Dmitri Sitkovetsky und den Klarinettisten Hans Schöneberger unterstützt werden, gerade in intonatorischer Hinsicht noch stärker überzeugt, stilistisch aber weit von dem Komponisten entfernt ist. Die Reichardt-Platte (mit der Harfenistin Maria Graf) ist von den interpretatorischen Stärken und Schwächen her der Pfitzner-Produktion vergleichbar, wenn auch durch den noch introvertierteren Gesamtzugriff die Schwächen noch stärker im Zaum gehalten werden können. Die Zelter-Lieder (mit Aribert Reimann an einem schlecht vorbereiteten Conrad-Graf-Hammerklavier von 1838) zeigen schön das Kunstwollen beider Interpreten, das aber durch verschiedene Einschränkungen nicht immer ganz zum Erfolg führt.

Das Booklet enthält eine kurze allgemeine Einführung und sämtliche Liedtexte, auf die man bei einem derart eloquenten Sänger wie Fischer-Dieskau hätte verzichten können zugunsten einsichtsvoller Bookleteinlassungen über das eingespielte Repertoire – vielleicht auch durch Einlassungen zu den Aufnahmesitzungen, die mittlerweile selbst historischen Charakter erlangt haben.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 01.05.2021

Label: OehmsClassics
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