Magazin: CD-Kritiken
The contrast - English Poetry in Song

Details zu The contrast - English Poetry in Song: Carolyn Sampson, Joseph Middleton

The contrast - English Poetry in Song: Carolyn Sampson, Joseph Middleton

In verwandtschaftlicher Linie

Carolyn Sampson erkundet bekannte und unbekanntere britische Lieder.

Viele der hier vorgestellten Lieder finden nur selten den Weg auf den Tonträger – von die anderen Kompositionen umrahmenden Zyklen von William Walton gibt es kaum jeweils eine Handvoll an Einspielungen. Doch was für welche: Heather Harper, Felicity Lott, Kiri Te Kanawa (Drei Lieder aus 'Façade'), Jill Gomez ('A Song for the Lord Mayor‘s Table', Orchesterfassung). Nun also Carolyn Sampson mit ihrem Klavierpartner Joseph Middleton. Im Klavierpart klingt da vieles weicher, weniger kraftvoll ausgearbeitet und weniger pointiert. Gleiches gilt für die Sängerin: Sampson gestaltet die Lieder mehr lyrisch denn lyrisch-dramatisch, auch steht ihr Stimme kein rechter unmittelbarer Humor zu Gebote. Dies verleiht sowohl dem 'Song for the Lord Mayor‘s Table' (ursprünglich für Elisabeth Schwarzkopf geschrieben und von dieser 1962 auch uraufgeführt) als auch den 'Façade'-Liedern eine teilweise fast tragische Note, auch weil gehaltene Töne jenseits des Pianissimo häufig nicht mehr immer ganz fokussiert, vielmehr unstet geraten.

Gewisser Druck

Dieses Problem beeinträchtigt auch Ralph Vaughan Williams‘ 'Orpheus with his Lute', 'The sky above the roof' und 'Silent Noon'; auch scheinen die Musiker das Idiom des Komponisten nicht recht zu beherrschen – zu ‚melodisch buchstabiert‘ geraten verschiedene Passagen. Wohler fühlen sich Sampson und Middleton bei Frank Bridge und Roger Quilter, von den sieben bzw. sechs Lieder zu Gehör gebracht werden. Zwar merkt man neben dem Vibrato auf gehaltenen Noten hier auch einen gewissen Druck, den Sampson mittlerweile bei Spitzentönen auf ihre Stimme ausüben muss – sie klingt nicht mehr so frisch und leicht wie früher –, doch ist der emotionale Eindruck unmittelbarer als bei den Vaughan-Williams-Liedern. Dennoch wünscht man sich Elizabeth Harwood und andere Sängerinnen der Vergangenheit zurück, als Lehrerin wenn nicht als Interpretin (Harwoods Platte mit englischen Liedern ist nie auf CD erschienen).

Die 'Fünf Lieder' von Huw Watkins auf Texte von Philip Larkin aus dem Jahr 2010 wurden durch Sampson uraufgeführt; man spürt die große Vertrautheit mit der Musik und dass beiden Musikern die Ersteinspielung eine Herzensangelegenheit ist. Hätten sich die beiden Musiker doch stärker vergleichbarer Liedopera angenommen – die SACD wäre eine unverzichtbare Veröffentlichung. Klanglich ist sie dies ohnehin – Sampsons weite dynamische Spannweite wird rundum unverfälscht und in großer Klarheit übermittelt, ebenso Middletons zurückhaltende pianistische Finesse.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 03.04.2020

Label: BIS Records
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